Grundlegende Tipps zum figürlichen Zeichnen

Früher oder später möchte sicherlich jeder auch einmal Menschen und Figuren zeichnen. Das figürliche Zeichnen ist mitunter recht anspruchsvoll, denn Menschen und Figuren sind bekannte Motive. Deshalb wirken Zeichnungen manchmal etwas komisch, wenn die Proportionen nicht stimmen.

Zudem können Details wie Haare, die Mimik aber auch Bewegungen eine kleine Herausforderung sein. Dies gilt vor allem dann, wenn die Zeichnung möglichst naturgetreu werden soll. Andererseits ist es mit den richtigen Tipps und Tricks und natürlich etwas Übung gar nicht so schwer, Menschen und Figuren zu zeichnen.

Dabei gibt es in diesem Zusammenhang zwei wesentliche Varianten, nämlich zum einen die klassische Zeichnung und zum anderen die vereinfachte Darstellung. Als Zeichenmaterialien beim Zeichnen von Menschen und Figuren eignen sich neben dem Bleistift und dem Buntstift auch die Zeichenkohle, die Tusche, der Marker und die Pastellkreide.

Die folgende Übersicht stellt nun die beiden Vorgehensweisen beim Zeichnen von Menschen und Figuren vor und verrät grundlegende Tipps zum figürlichen Zeichnen: 

Die künstlerische, klassische Zeichnung von Menschen und Figuren

Die Basis beim Zeichnen von Menschen und Figuren bildet die Proportionslehre. Wenn der Zeichner sein Modell genau beobachtet und die einzelnen Körperpartien proportional richtig überträgt, ergibt sich automatisch ein stimmiges Gesamtbild.

Dabei lässt sich ein menschlicher Körper in acht Abschnitte aufteilen:

·         Der Kopf bildet das oberste Achtel. Sein Anteil an der gesamten Körperlänge beträgt also ein Achtel.

·         Der Oberkörper vom Hals bis zum Becken nimmt drei Achtel der Gesamtkörperlänge ein. Das Becken bildet somit die Körpermitte und teilt den Körper in zwei gleichlange Hälften. Die obere Hälfte verläuft vom Kopf bis zum Becken, die untere Hälfte beginnt unterhalb des Beckens und besteht aus den Beinen. 

·         Die Beine sind in zwei Abschnitte aufgeteilt. Die Ober- und die Unterschenkel machen jeweils zwei Achtel, also ein Viertel, der gesamten Körperlänge aus.

·         Die Arme beginnen an den Schultern und werden durch die Ellenbogen in zwei Abschnitte aufgeteilt. Die Abschnitte von Ober- und Unterarmen sind jeweils gleichlang. Insgesamt reichen die Arme bis zur Körpermitte, also bis zum Becken. Dazu kommen dann noch die Hände, die etwa in der Mitte des Oberschenkels enden.

Das Zeichnen selbst beginnt üblicherweise mit ein paar Schnellskizzen. Durch die Schnellskizzen kann der Zeichner verschiedene Ansichten und Bildausschnitte durchprobieren. Weiter geht es dann mit der Skizze, die dem Zeichner am besten gefällt. Bei den ersten Versuchen ist es übrigens ratsam, ein Motiv auszuwählen, bei dem die perspektivischen Verkürzungen nicht allzu schwierig sind.

Statt einer Figur, die sich bewegt oder in einem bestimmten Winkel zu sehen ist, ist es also beispielsweise einfacher, eine Figur frontal zu zeichnen. Ist die Skizze ausgewählt, überträgt der Zeichner seine Bildaufteilung mit leichten, dünnen Strichen auf sein Zeichenpapier. Anschließend zeichnet er die grundlegenden Linien und Konturen.

Hierbei sollte er jedoch mit eher schwungvollen und großzügigen Strichen arbeiten. Es geht noch nicht darum, die exakten Konturen auszuarbeiten. Stattdessen werden jetzt nur die Grundformen angelegt. Deshalb sollte der Zeichner jetzt auch nicht unbedingt radieren und korrigieren, sondern besser eine weitere, richtige Linie neben einen falschen Strich setzen.

Wenn der Zeichner mit seinem Entwurf zufrieden ist, filtert er aus den vielen Hilfslinien die exakte Kontur seiner Figur heraus. Diese zeichnet er nach und betont sie. Die übrigen Hilfslinien kann er entfernen oder durch Zeichentechniken wie das Schraffieren, Schummern oder Verwischen als Details und Schatten ausarbeiten. Gleichzeitig modelliert er so seine Zeichnung und lässt die Figur plastisch erscheinen. 

Die vereinfachte Darstellung von Menschen und Figuren

Bei der vereinfachten Darstellung wird im Stil von Comics oder der Pop Art mit reduzierten Linien gezeichnet. Diese Vorgehensweise führt zu ausdrucksstarken Zeichnungen, eignet sich aber hervorragend auch zum Üben und für Anfänger.

Als Zeichenwerkzeuge kommen bei der vereinfachten Darstellung:

 ·         ein Foto oder eine andere Bildvorlage,
·         Transparentpapier oder transparente Zeichenfolie,
·         am besten drei Zeichenstifte in Schwarz, Mittelgrau und hellem Grau
·         und eventuell Buntstifte oder andere Farben zum Kolorieren zum Einsatz.

Um die Zeichnung anzufertigen, wird das Transparentpapier auf das Foto oder die Bildvorlage gelegt. Anschließend zeichnet der Zeichner die Linien möglichst genau nach. Dabei teilt er die Linien aber in drei Kategorien ein. Mit dem schwarzen Stift fährt er die Umrisse nach. Die Umrisslinien sind die wichtigsten Linien, denn sie bestimmen über die Grundform und den Charakter der Figur.

Mit dem mittelgrauen Stift zieht der Zeichner markante Linien innerhalb des Motivs nach. Dies können beispielsweise Unterteilungen sein. Der hellgraue Stift wird für Nebensächliches und Details wie Falten verwendet. Insgesamt sollte der Zeichner die Linien zwar möglichst genau nachziehen, aber trotzdem locker zeichnen. Schleichen sich kleine Fehler ein, sollte er sie nicht unbedingt korrigieren.

Korrekturen fallen nämlich eher auf, während locker gezeichnete Linien durchaus beabsichtigt wirken können, selbst wenn sie versehentlich von der Vorlage abweichen. Zudem muss der Zeichner nicht jedes Details übertragen. Konzentriert er sich auf das Wesentliche, also vor allem auf die Konturen und markanten Linien, und lässt dafür Feinheiten weg, wird der comicartige Charakter unterstrichen. Akzente lassen sich dann durch farbig ausgearbeitete Stellen setzen.

Mehr Anleitungen, Tipps und Vorlagen:

Unfallskizzen als Zeichnung
Tipps für technische Skizzen
Bleistiftstärken und Graphitanteil
Tipps zu Skizzen der Architektur
Grundregeln beim perspektivischen Zeichnen
Tipps zum Zeichnen von Stillleben

 

Thema: Grundlegende Tipps zum figürlichen Zeichnen

Kommentar verfassen