Profi-Grafik-Tablets als Alternative zu Papier?

Skizzen und Zeichnungen werden auch heute noch meist mit Papier und Bleistift in Verbindung gebracht. Andererseits haben sich mobile Endgeräte rasant verbreitet und für viele ist es mittlerweile fast schon selbstverständlich, für Notizen und schnelle Aufzeichnungen nicht mehr zum Notizblock und zum Stift, sondern zum Tablet zu greifen.

Eigentlich war es also nur eine Frage der Zeit, bis die klassische, traditionelle Zeichnung und die moderne Technik zueinanderfinden.  

Eine neue Generation von Profi-Grafik-Tablets erobert den Markt.

Grafik-Tablets als solches sind keineswegs eine neue Idee. Ganz im Gegenteil arbeiten professionelle Zeichner und Grafiker schon seit Jahren mit den digitalen Zeichenbrettern. Bislang handelte es sich bei den Grafik-Tablets jedoch um reine Eingabegeräte, die an den Computer angeschlossen werden. Sie haben kein eigenes Display und keine umfangreichen Funktionen.

Stattdessen bieten sie tatsächlich nur eine digitale Oberfläche, die herkömmliches Papier ersetzt und es überflüssig macht, die Zeichnung durch Scannen auf den Computer zu übertragen. Doch inzwischen ist eine neue Generation von Grafik-Tablets auf dem Markt. Ausgestattet mit einem eigenen Touchscreen und einem umfangreichen Softwarepaket, sind sie näher an herkömmlichen Tablet-PCs als an den altbekannten Grafik-Tablets.

Doch es gibt auch einige große Unterschiede. Die beiden ersten Unterschiede sind mit bloßem Auge erkennbar. So haben die Profi-Grafik-Tablets zum einen ein Display, das ein ganzes Stück größer ist als das Display von herkömmlichen Tablets. Außerdem hat das Display eine matte Oberfläche, die Spiegelungen deutlich reduziert. Bei Arbeiten im Freien ist das ein großer Pluspunkt. Zum anderen haben die Profi-Grafik-Tablets einen recht breiten Rand. Durch diesen breiten, leicht rauen Rand sind die Profi-Tablets angenehm griffig.

Gleichzeitig kann der Rand als Ablagefläche für die Hand genutzt werden, wenn auf der gesamten Fläche gezeichnet wird. Hinzu kommt, dass der breite Rand ausreichend Platz für verschiedene Tasten bietet. Den Tasten wiederum können unterschiedliche Funktionen zugeordnet werden. So kann eine Taste den Pinsel beispielsweise größer und eine andere Taste den Pinsel kleiner machen oder durch einen entsprechenden Tastendruck kann in einen Bildausschnitt hineingezoomt werden.

Das größere Format und der breite Rand mit mechanischen Tasten stehen der Entwicklung von herkömmlichen Tablet-PCs entgegen, denn sie sollen ja gerade immer handlicher werden und in diesem Zuge möglichst auch auf den Rand verzichten. Ein weiterer Unterschied ergibt sich durch die Zeichen- und Grafik-Apps. Die installierte Software ist leistungsstärker und verfügt über deutlich mehr Funktionen als einfache Grafik-Apps für herkömmliche Tablets.

Ein spezieller Prozessor, ein zusätzlicher Grafik-Prozessor und ein großzügiger Arbeitsspeicher sorgen für die technische Grundlage, um auch mit großen Grafikdateien problemlos arbeiten zu können. Der Eingabestift wiederum ermöglicht sehr präzise Eingaben und damit auch sehr genaue und detaillierte Zeichnungen. Durch seine gummierte Oberfläche liegt er außerdem sehr gut in der Hand. 

Profi-Grafik-Tablets als Alternative zu Papier?

Grafik-Tablets der neuen Generation sind zweifelsohne in der Lage, den hohen Ansprüchen von Zeichen- und Grafikprofis gerecht zu werden. Genau dafür, also für Zeichnungen und Anwendungen im professionellen Bereich, sind sie schließlich konzipiert. Allerdings haben die Hightechgeräte auch ihren Preis. So müssen selbst für die kostengünstigsten Profi-Grafik-Tablets weit über 1.000 Euro auf den Tisch gelegt werden. Wie bei nahezu allen Geräten werden sich die Preise in den kommenden Jahren aber vermutlich spürbar nach unten entwickeln. Experten sind sich zudem recht sicher, dass professionelle Grafik-Tablets den klassischen Computer samt Tastatur und Maus ablösen werden.

Und wie sieht es mit Papier und Bleistift aus? Nun, eine Zeichnung oder Skizze, die mittels Eingabestift erstellt wurde und auf der digitalen Fläche des Tablets zur Verfügung steht, lässt sich einfacher und vielseitiger weiterbearbeiten als eine Zeichnung auf Papier. Auf der digitalen Fläche können die Größe verändert, Korrekturen vorgenommen, Bildausschnitte verschoben, Flächen eingefärbt, Farben ausprobiert und mehrere Entwürfe miteinander verknüpft werden. Alle durchgeführten Schritte lassen sich bei Bedarf problemlos auch wieder rückgängig machen.

Bei einer Zeichnung auf Papier ist das ohne Weiteres so nicht möglich. Mit mehreren tausend Druckempfindlichkeitsstufen, beliebig einstellbaren Strichstärken, einer genauen Erkennung des Neigungswinkels und einer hochsensiblen Oberfläche kann auch der Eingabestift mit dem Bleistift und anderen klassischen Zeichengeräten locker mithalten. Trotzdem wird ein Zeichner wohl nie ganz auf seinen altbewährten Zeichenblock verzichten wollen.

Letztlich werden Profi-Grafik-Tablets eher eine Ergänzung bleiben, wenn auch eine sehr angenehme und praktische. So ist denkbar, dass der Zeichner oder Grafiker die eigentliche Zeichnung oder Skizze ganz klassisch auf Papier anfertigt, um sie dann einzuscannen und mit dem Tablet weiterzubearbeiten. Und noch etwas wird sich wohl nicht ändern: Das Zeichnen erfordert eine Portion Talent und jede Menge Übung. Diese wird auch das beste Profigerät nicht ersetzen können.

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