Zeichnen – Übungen für Anfänger

Das Zeichnen ist ein sehr beliebtes Hobby und selbst absolute Anfänger, die zum ersten Mal zu Stift und Papier greifen, können sehr viel Spaß daran haben.

Die Betonung liegt allerdings tatsächlich auf können. Gerade Anfänger machen nämlich oft den Fehler, dass sie von Anfang an eine klare Vorstellung davon haben, wie ihre fertige Zeichnung aussehen soll. Die Folge davon ist dann aber häufig, dass sie enttäuscht sind, weil ihre Zeichnungen ganz anders aussehen als gedacht, obwohl vielleicht ein scheinbar einfaches Motiv gewählt wurde.

Also ziehen viele für sich das Fazit, eben einfach nicht zeichnen zu können und packen die Zeichenmaterialien frustriert wieder weg. Gerade Anfänger sollten sich jedoch zwei grundlegende Dinge vor Augen führen. Zum einen sind Naturtalente die absoluten Ausnahmen, was bedeutet, dass das Zeichnen genauso geübt werden möchte, wie alles andere auch.

Auch beim Zeichnen entwickeln sich Erfahrung, Routine und der eigene Stil erst im Laufe der Zeit. Zum anderen gehört das Zeichnen in den Bereich der Kunst und hier gibt es grundsätzlich kein richtig oder falsch. Natürlich gibt es auch beim Zeichnen bestimmte Techniken und wenn die Proportionen oder Licht und Schatten nicht stimmen, wirkt die Zeichnung komisch.

Aber zunächst ist entscheidend, dass die Zeichnung aus Sicht des Zeichners gelungen ist. Ein bewährter Weg, um mit dem Zeichnen zu beginnen, besteht darin, zunächst auf die eigentliche Zeichnung zu verzichten und stattdessen mit Übungen anzufangen. Durch die Übungen können einige grundlegende Zeichentechniken und verschiedene Wirkungen ausprobiert werden, ohne dass der Anspruch besteht, eine stimmige Zeichnung anzufertigen.

Im Sinne eines Grundkurses für das Zeichnen stellt die folgende Übersicht
ein paar gute und sinnvolle Übungen für Anfänger vor:

1. Kritzeln und Skizzieren

Zunächst einmal geht es darum, ein Gefühl für das Zeichengerät und das Papier zu entwickeln. Sinnvoll ist daher, aus dem Bauch heraus Linien zu zeichnen und schnelle, einfache Skizzen anzufertigen. Dabei geht es nicht darum, bestimmte Motive möglichst stimmig darzustellen, sondern es geht wirklich nur darum, erste Linien und Striche zu Papier zu bringen.

Auf den Radiergummi sollte übrigens zunächst verzichtet werden. So lässt sich nämlich nachvollziehen, wie sich die Linienführung entwickelt hat und außerdem lernt sich bekanntlich aus Fehlern am besten. Für die ersten Zeichenversuche ist es ratsam, mit unterschiedlichen Zeichengeräten zu experimentieren, also beispielsweise mit Bleistiften in unterschiedlichen Härtegraden, mit Kreide oder mit Kohle.

Wichtig dabei ist aber, solche Zeichengeräte zu verwenden, die eine lockere Handhaltung ermöglichen. Zeichengeräte, die eine bestimmte Handhaltung erfordern und damit die Bewegungsfreiheit einschränken, sind eher nicht geeignet. Hierzu gehören beispielsweise Tintenroller, bei denen die Tinte nur dann gleichmäßig fließt, wenn die Stifte senkrecht gehalten werden.  

2. Schraffieren und Verwischen

Eine weitere gute Übung besteht darin, Flächen zu schraffieren. Schraffieren bedeutet, dass eine Fläche mit vielen Strichen ausgefüllt wird, die beispielsweise parallel zueinander, über Kreuz oder auch unregelmäßig angeordnet sind.

Das Schraffieren kommt zum Einsatz, um dunkle Flächen und Schatten zu zeichnen. Dabei wird der Zeichner feststellen, dass die Flächen sehr unterschiedlich wirken, immer in Abhängigkeit davon, wie die einzelnen Striche verlaufen und angeordnet sind.Einige der schraffierten Flächen kann der Zeichner probeweise dann auch verwischen.

Das bedeutet, dass die gezeichneten Linien und Striche mit dem Finger verwischt und damit zu einer mehr oder weniger geschlossenen Fläche verbunden werden. Durch das Verwischen können sanfte Schatten und verschwommen wirkende Konturen gestaltet werden.  

3. Einfache Motive zeichnen

Für die ersten richtigen Zeichnungen bieten sich vor allem einfache Motive wie beispielsweise Kreise und Würfel an. Geometrische Formen sind recht leicht zu zeichnen, eignen sich aber hervorragend, um Schattierungen zu üben.

Ein stimmiges Verhältnis von Licht und Schatten gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine stimmige Zeichnung. Für die Übung wird also zunächst eine schlichte Form wie ein Würfel gezeichnet. Nun muss sich der Zeichner überlegen, wo sich seine Lichtquelle befinden soll. Als nächstes sollte er versuchen, die Schatten, die sich durch die Position der Lichtquelle ergeben, auf seiner Zeichnung richtig zu platzieren.

Interessant kann es dabei aber auch sein, ein Motiv mehrfach zu zeichnen und die Schatten an unterschiedlichen Stellen zu setzen. Dadurch lernt der Zeichner, wie unterschiedlich ein einziges Motiv wirken kann, wenn nur scheinbar kleine Details verändert werden. 

4. Sehen und zeichnen

Gerade wenn es um kleine Details und auch Schatten geht, gibt es eine hervorragende Übung für Zeichenanfänger. Dafür wird eine Lampe aufgestellt und ein einfacher Gegenstand wie beispielsweise ein Glas, eine Tasse oder eine Zahnpastatube im Lichtschein positioniert. Der Zeichner sollte nun versuchen, dieses Motiv so genau wie möglich nachzuzeichnen.

Gerade für Anfänger ist es durch die Lampe als tatsächliche Lichtquelle einfacher zu erkennen, wo Schatten entstehen. Gleichzeitig werden viele Zeichner aber auch überrascht feststellen, wie groß die Unterschiede zwischen dem sind, was sie tatsächlich sehen, und dem, was sie zu sehen glauben. Gerade Anfänger verlassen sich beim Zeichnen nämlich häufig unbewusst auf ihre Vorstellungen und weniger auf das Motiv als Vorlage.  

5. Rechtzeitig aufhören

Natürlich kann der Zeichner nach all den Übungen ein neues Blatt nehmen, sein Motiv erst in dünnen Linien skizzieren und die Zeichnung anschließend ausgestalten. Aber grundsätzlich ist wichtig, zum richtigen Zeitpunkt aufzuhören.

Es bringt nichts, wenn der Zeichner eine Zeichnung unbedingt fertig stellen möchte, obwohl er eigentlich gar keine Lust mehr hat oder es an diesem Tag irgendwie nicht so richtig klappen will. Dies wird in vielen Fällen dazu führen, dass die Zeichnung am Ende anders aussehen wird als gedacht, weil schnell noch irgendwelche Linien gezeichnet und Schatten gesetzt wurden. Wesentlicher sinnvoller ist, Stift und Bleistift einfach beiseite zu legen und zu einem späteren Zeitpunkt weiterzumachen.

Weiterführende Skizzen, Zeichnungen und Anleitungen:

Bestimmen von Grössen und Abständen
Tipps Licht und Schatten
Tipps und Übungen zu Schraffuren
Blickwinkel beim Zeichnen
Zeichenwerkzeuge beim technischen Zeichnen
Landschaftszeichnungen Tiefe verleihen

 

Thema: Grundkurs Zeichnen: gute und sinnvolle Übungen für Anfänger

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