Tipps zum Zeichnen von Falten in Stoffen – Kleidungsstuecken

Das Zeichnen von Falten in Stoffen und Kleidungsstücken empfinden viele als recht schwierig. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn der Zeichner keine Vorlage hat, sondern beispielsweise eine Figur samt Kleidung lediglich aus seiner Vorstellungskraft heraus zeichnet.

Allerdings unterliegt auch der Faltenwurf von Stoffen und Kleidungsstücken bestimmten Regeln und wenn der Zeichner einmal verstanden hat, wann welche Falten in welcher Form entstehen, wird ihm das Zeichnen der Falten nicht mehr allzu schwer fallen.

Hier nun also die wichtigsten Infos und Tipps zum Zeichnen von Falten in Stoffen und Kleidungsstücken in der Übersicht: 

Die wichtigsten Punkte beim Zeichnen von Falten

Ein wesentlicher Punkt, der den Faltenwurf beeinflusst, ist der Stoff selbst. Je fester ein Stoff ist, desto weniger deutlich bilden sich Falten. Im Unterschied dazu entstehen bei dünnen und geschmeidigen Stoffen auch bei kleinen Bewegungen schon sichtbare Falten.

Bei einer Jeans, einem dicken Wollpullover oder einer Lederjacke sind die Falten also weniger ausgeprägt als bei einer dünnen Seidenbluse oder einem luftigen Sommerrock. Zudem bildet Kleidung, die eng am Körper anliegt, weniger Falten als weite oder geöffnete Kleidungsstücke. Generell entstehen Falten immer dort, wo es eine Bewegung gibt.

Dabei spielen wiederum die sogenannten Ankerpunkte und die Aktionsrichtung eine maßgebliche Rolle. Als Ankerpunkte werden die Punkte bezeichnet, an denen der Stoff oder die Kleidungsstücke Berührung mit dem Körper oder einem Gegenstand haben. Die Aktionsrichtung ist die Richtung, in der ein Körper, ein Körperteil oder ein Gegenstand eine Bewegung ausführt.

An der Stelle, an der es zu der Bewegung kommt, wirkt sich die Aktionsrichtung auf den Stoff aus und an den Ankerpunkten entstehen Falten. Bei Figuren entstehen Falten vor allem an den Gelenken. 

Die unterschiedlichen Arten von Falten

Je nach Ankerpunkten und Aktionsrichtung bilden sich auf Stoffen und Kleidungsstücken unterschiedliche Faltenarten ab:

·         Zug- und Dehnfalten.

Wie die Bezeichnungen bereits nahelegen, entstehen solche Falten, wenn der Stoff gezogen oder gedehnt wird. Typische Bewegungen, die solche Falten hervorrufen, sind ein Ausstrecken der Arme oder Beine oder einen Spannen des Stoffes.

Beim Zeichnen befinden sich die Ankerpunkte beispielsweise in den Achselhöhlen oder zwischen den Beinen. Daneben können auch die Knöpfe einer Bluse oder der Verschluss einer Jacke zu Ankerpunkten im Bauchbereich werden. Die Falten gehen von den Ankerpunkten aus und verlaufen meist strahlenförmig nach vorne und hinten. 

·         Druck- und Stauchfalten.

Diese Falten entstehen, wenn ein Stoff zusammengedrückt oder zusammengeschoben wird. Typische Bewegungen, die zu solchen Falten führen, sind das Beugen von Armen und Beinen, das Zusammenknüllen von Stoff oder Bewegungen von offenen und weiten Kleidungsstücken.

Die Falten gehen von Ankerpunkten wie Ellebogen, Knien oder Füßen aus und verlaufen in kurzen geraden, gewölbten oder gekreuzten Mustern.

·         Hänge- und passive Falten.

Hängefalten entstehen ohne eine bestimmte Bewegung, sondern ergeben sich aus dem hängenden Stoff selbst. Dabei gibt es Hängefalten in zwei Varianten. Zum einen können Hängefalten in gebogener Form zwischen zwei Ankerpunkten verlaufen, beispielsweise wenn die Figur ein Oberteil mit einem Ausschnitt trägt.

Zum anderen können Hängefalten von einem Ankerpunkt aus senkrecht nebeneinander verlaufen, etwa bei einem Rock oder auch einem Vorhang. Passive Falten resultieren immer aus der Bewegung oder Aktion, die vorausgegangen ist. Meist verlaufen passive Falten in waagerechter Richtung, beispielsweise wenn eine Decke gezeichnet wird, die nach dem Aufstehen zurückgeklappt liegengelassen wurde.

·         Ungebundene Falten.

Diese Falten können viele unterschiedliche Verläufe annehmen, denn sie werden vom Luftstrom oder von Wind beeinflusst. Vielfach sind solche Falten leicht kreis- oder spiralförmig angeordnet, ähnlich wie ein Wasserstrudel.

·         Unterbrochene Falten.

Hierbei handelt es sich um Falten, die aus einer Bewegung heraus entstehen, in der Zeichnung aber unterbrochen sind. Dabei kann es für die Entstehung solcher Falten unterschiedliche Gründe geben. Ein recht häufiger Grund sind unterschiedliche Stoffarten.

Wird beispielsweise eine Figur in Bewegung gezeichnet, die eine Jeans und ein T-Shirt trägt, werden die Falten, die vom T-Shirt ausgehen, auf der Jeans trotz identischer Bewegung nicht einfach in der gleichen Form fortgeführt. Ein anderer Grund können Stoffmuster oder auch Flecken und Löcher in der Kleidung sein, die die Falten entsprechend unterbrechen.  

Zwei Tipps zum Schluss

Ein sehr häufiger Fehler, den vor allem Anfänger beim Zeichnen von Falten machen, besteht darin, dass sie die Kleidungsstücke mit glatten, geraden Konturen zeichnen und die Falten nachträglich in Form von Linien und Strichen einzeichnen. Aber Falten verändern auch die Konturen des Kleidungsstückes. Wird beispielsweise eine Figur gezeichnet, die ihren Arm beugt, zieht sich der Stoff in der Armbeuge zusammen. Die Falten, die dabei entstehen, sind nicht nur in der Armbeuge selbst sichtbar, sondern reichen bis zu den Konturen des Ärmels.

Außerdem gilt es beim Zeichnen von Falten auf das Stoffmuster zu achten. Die Falten müssen in dem Stoffmuster fortgeführt werden, das sich dann entsprechend verzerrt. Hilfreich ist daher, zunächst den Stoff samt Faltenwurf und erst danach das Stoffmuster zu zeichnen. Andersherum ist es nämlich deutlich schwieriger, Muster und Falten stimmig darzustellen.

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Thema: Die wichtigsten Infos und Tipps zum Zeichnen von Falten in Stoffen/Kleidungsstücken

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