Vorlagen abzeichnen wie die alten Meister

Wenn es um Bilder, Zeichnungen und Skizzen geht, rümpfen beim Thema Abzeichnen viele die Nase. Dabei spricht überhaupt nichts dagegen, sich mit dem einen oder anderen Trick zu behelfen, um eine gelungene Zeichnung anzufertigen.

Zudem ist das möglichst genaue und detailgetreue Abzeichnen eine sehr gute Übung, von der sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene profitieren können. Selbst die großen, alten Meister malten ihre Kunstwerke nicht frei Hand, sondern fertigten Skizzen an und zeichneten Vorlagen ab.

  

Die Vorgehensweise der alten Meister

Ein sehr großer Teil der Kunstwerke aus vergangenen Tagen entstand als Auftragsarbeit. Bei einer Auftragsarbeit wiederum ging es nicht so sehr darum, dass der Künstler seine kreativen Ideen umsetzte. Stattdessen sollte das vorgegebene Bildmotiv möglichst originalgetreu festgehalten werden und am Ende zählte nur das Ergebnis.

Deshalb entwickelten die Künstler viele verschiedene Methoden, um möglichst realistische Kopien des Originalmotivs auf die Leinwand zu bringen. Dabei gingen dem eigentlichen Malen des Gemäldes mehrere Arbeitsschritte voraus. So wurden mitunter zahlreiche und recht aufwändige Studien angefertigt. Durch die Studien untersuchten die Künstler die Bildobjekte zeichnerisch und näherten sich so nach und nach den perfekten Formen und Proportionen an. Im nächsten Schritt wurden dann eine oder mehrere Skizzen des gesamten Bildes gezeichnet.

Die Skizzen dienten in erster Linie als Arbeitsmittel und damit als Entwurf für das spätere Bild. Die Zeichnungen wurden also nicht als Kunstwerke gesehen, sondern lediglich als Arbeitsschritte auf dem Weg zum Kunstwerk. Der Status als Kunstwerk blieb den fertig ausgearbeiteten Gemälden vorbehalten. Das bedeutet aber gleichzeitig auch, dass ein Gemälde dadurch entstand, dass Vorlagen und Skizzen immer wieder abgezeichnet und verfeinert wurden.  

Vorlagen abzeichnen wie die alten Meister

Um eine Auftragsarbeit zur Zufriedenheit des Kunden zu erledigen und dann auch das entsprechende Honorar zu bekommen, fertigten die Künstler in der Vorbereitung viele Studien, Skizzen und Zeichnungen an. Diese Entwürfe setzen zeichnerisches Können voraus, denn ohne die Fähigkeit, zu zeichnen und zu malen, hätten auch die Studien und Skizzen kaum entstehen können. Aber die alten Meister griffen auch auf echte Tricks zurück, wenn es darum ging, eine Vorlage abzuzeichnen.

Dabei wiederum entwickelten sie unter anderem folgende Methoden: 

Die Raster-Methode

Die Raster-Methode wird auch heute noch sehr gerne angewendet, wenn ein Foto oder ein Bild abgezeichnet werden soll. Die alten Meister griffen ebenfalls auf dieses Verfahren zurück. Allerdings markierten sie das Raster nicht auf der Bildvorlage, sondern setzen die Methode bei echten Motiven wie beispielsweise Personen ein.

Dazu wurde ein Rahmen gebaut, der mit mehreren Fäden bespannt war. Diese Fäden waren waagerecht und senkrecht angeordnet und bildeten dadurch das Raster. Das Raster, das der Rahmen vorgab, übertrug der Künstler auf seinen Malgrund. Dann wurde der Rahmen so zwischen dem Künstler und dem Modell aufgestellt, dass der Künstler immer durch den Rahmen schaute, wenn er sein Modell ansah. Durch das Raster konnte er sich orientieren und die Vorlage viel einfacher auf den Malgrund übertragen. Er musste nämlich letztlich nur das abzeichnen, was er in dem jeweiligen Kästchen sah.  

Das Abpausen in einer Art

Siebdruckverfahren

Diese Methode, um eine Vorlage abzuzeichnen, ist von Michelangelo überliefert. Er fertigte zunächst eine Zeichnung an. Anschließend stanzte er viele kleine Löcher in die Zeichnung, die den Konturen und den wichtigsten Linien folgten.

Die durchlöcherte Zeichnung positionierte er auf dem Malgrund. Danach nahm er mit dem Pinsel etwas Farbe auf und fuhr die Umrisse der Zeichnung nach. Dadurch drückte sich die Farbe wie im Siebdruckverfahren durch die Löcher hindurch und auf dem Malgrund waren die Konturen des Motivs als gestrichelte Linien zu sehen. 

Das Abzeichnen nach Albrecht Dürer

Von Albrecht Dürer ist eine Abzeichenmethode überliefert, bei der Schnüre als Hilfsmittel zum Einsatz kommen. Dafür wird zuerst eine Öse an der Wand hinter dem Künstler befestigt. Durch diese Öse wird eine lange Schnur gefädelt und am unteren Ende mit einem Gewicht ausgestattet.

Dabei wird die Schnur ungefähr an dem Punkt befestigt, an dem ein Betrachter des Bildes stehen würde. Am anderen Ende der Schnur wird ein Stab angebracht. Auf dem Tisch, an dem der Künstler die Zeichnung erstellt, wird ein Rahmen mit einer auf- und verschließbaren Klappe aufgestellt. An der Innenseite der Klappe ist der Malgrund befestigt. Das letzte Hilfsmittel sind zwei weitere Schnüre, die jeweils der Länge und Breite des Rahmens entsprechen.

Das Abzeichnen des Bildmotivs geht dann so:

·         Eine Person zeigt mit dem Stab, der an der langen Schnur befestigt ist, auf einen Punkt des Bildobjekts. Durch das Gewicht am anderen Ende ist die Schnur gespannt.

·         Die zweite Person bindet die eine kurze Schnur waagerecht und die andere kurze Schnur senkrecht am Rahmen fest. Dabei werden die Schnüre so befestigt, dass sie sich an dem Punkt kreuzen, an dem die lange Schnur durch den Rahmen läuft.

·         Die erste Person kann die lange Schnur daraufhin loslassen und die Klappe des Rahmens schließen. Anschließend kann der Kreuzungspunkt der beiden kurzen Schnüre im Rahmen auf den Malgrund übertragen werden.

·         Nach diesem Schema werden beliebig viele Punkte der Vorlage auf den Malgrund übertragen. Danach muss der Künstler die Punkte nur noch miteinander verbinden und hat so die exakten Konturen des Motivs auf seinem Malgrund. 

Die Camera Obscura

Die Camera Obscura ist eine recht aufwändige Methode, macht das Abzeichnen einer Vorlage dafür aber recht einfach. Voraussetzung für die Anwendung ist ein abgedunkelter Raum oder zumindest ein Behälter. Der Raum ist mit einem Loch in der Wand ausgestattet und nur durch dieses kleine Loch darf Licht in den Raum gelangen.

Beim Blick durch das Loch wird das beleuchtete Bildmotiv dann auf die gegenüberliegende Wand projiziert. Dabei steht das Abbild auf dem Kopf und ist seitenverkehrt zu sehen. Um das Bildmotiv abzuzeichnen, müssen lediglich der Malgrund an der Wand positioniert und die Linien der Projektion nachgezogen werden. Die Dunkelheit in dem Raum selbst ist deshalb wichtig, weil nur wenig Licht durch das Loch fällt und das Abbild entsprechend schwach ist.

Eine Camera Obscura in der Größe einer Schachtel wird auch als Lochkamera bezeichnet.  

Das Abpausen mittels Glasscheibe

Das Abpausen mittels Glasscheibe ist eine recht einfache Methode, die auch heute noch angewendet wird. Früher war sie nicht ganz so verbreitet, denn Glas war nicht immer verfügbar, sehr teuer und oft von schlechter Qualität. Wenn der Künstler auf eine Glasscheibe zurückgreifen konnte, dann erfolgte das Abzeichnen der Vorlage in zwei Schritten.

Zuerst wurde das Glas vor die Vorlage gestellt und das Motiv auf dem Glas nachgezeichnet. Anschließend wurde Papier auf die Glasscheibe gelegt und das Glas so ausgerichtet, dass es von hinten beleuchtet wurde. Dadurch schimmerte die Zeichnung durch das Papier und die Linien konnten erneut nachgezeichnet werden. 

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