Was ist eine Zeichnung? – 2. Teil

Was ist eine Zeichnung? – 2. Teil

 

Wörter wie Bild oder Gemälde sind im Prinzip Oberbegriffe. Zwar weiß jeder, was gemeint ist, wenn von einem Bild oder einem Gemälde die Rede ist. Aber hinter Bildern und Gemälden können sich Kunstwerke verschiedenster Art verbergen. Bei der Zeichnung ist das ähnlich. Auch eine Zeichnung kennzeichnet sich durch bestimmte Besonderheiten, kann aber viele unterschiedliche Formen haben.

In einem mehrteiligen Beitrag wollen wir deshalb der Frage nachgehen, was eine Zeichnung ist. Im ersten Teil ging es um die charakteristischen Merkmale einer Zeichnung und um die verschiedenen Techniken beim Zeichnen. Jetzt, im zweiten Teil, soll es um Absichten und die Genres von Zeichnungen gehen.

 

Die Absichten von Zeichnungen

Zeichnungen lassen sich in zwei große Gruppen einteilen. So gibt es zum einen die technische Zeichnung und zum anderen die künstlerische Zeichnung.

 

Beide Varianten verfolgen unterschiedliche Ziele:

 

Die technische Zeichnung ist eine zweckgebundene Zeichnung. Bei ihr steht weniger der künstlerische Anspruch im Vordergrund. Stattdessen möchte die technische Zeichnung eine Idee festhalten und in klaren, einfachen Strukturen vermitteln. Inzwischen werden technische Zeichnungen größtenteils am Computer erstellt. Dabei legt der Zeichner nur noch die Anfangs- und die Endpunkte fest, während der Computer die dazugehörigen Linien als Vektoren berechnet und einzeichnet. Solche Zeichnungen sind wesentlicher exakter als von Menschenhand geschaffene Zeichnungen. Außerdem lassen sie sich in verschiedene Formate übertragen, jederzeit bearbeiten und problemlos kopieren.

 

Die künstlerische Zeichnung versteht sich als Ausdruckform von Kunst. Sie möchte eine Idee in künstlerischer Form darstellen. Dabei lässt sich die künstlerische Zeichnung noch einmal in zwei Untergruppen einteilen:

 

Die realistische Zeichnung möchte die Welt so darstellen, wie sie für das Auge sichtbar ist. Der Zeichner sucht sich also ein Motiv und versucht dieses Motiv so originalgetreu wie möglich wiederzugeben. Früher hatte die realistische Zeichnung auch eine praktische Funktion, denn sie war eine der wenigen Möglichkeiten, um Momente bildlich festzuhalten.

Dies änderte sich mit dem Aufkommen der Fotografie. Nun war es nicht mehr notwendig, die Welt in Zeichnungen zu dokumentieren. Diese Aufgabe übernahmen Fotos. Dies führte aber auch dazu, dass sich die realistische Zeichnung zunehmend in Richtung Kunst entwickelte.

 

Die abstrakte Zeichnung ist das Gegenstück zur realistischen Zeichnung. Sie möchte nicht die sichtbare Welt wiedergeben, sondern nutzt Linien, Striche, Punkte und Schraffuren, um eine künstlerische Idee zum Ausdruck zu bringen.

Ein Motiv abstrakt darzustellen und ein Bildmotiv als Kunst der Kunst wegen abzubilden, bringt die Schwierigkeit mit sich, dass eine abstrakte Zeichnung schwerer zu beurteilen ist. Einerseits gibt sie dem Betrachter mehr Freiraum, denn er kann selbst entscheiden, was er sieht. Andererseits sind die Zeichnung selbst und die Idee des Zeichners dahinter schwerer nachzuvollziehen.

 

Insgesamt kommen realistische Zeichnungen beim Publikum oft besser an als abstrakte Zeichnungen. Während das Publikum bei realistischen Zeichnungen nämlich ihm bekannte Dinge erkennt und versteht, was der Zeichner darstellen will, muss es bei abstrakten Zeichnungen selbst überlegen. Abstrakte Zeichnungen fordern somit mehr vom Publikum.

Die breite Masse neigt aber dazu, einfach nur schöne Kunst genießen zu wollen. Sie möchte sich nicht anstrengen müssen, um überhaupt einen Zugang zur Kunst zu finden und sie zu verstehen. Allerdings sind künstlerische Zeichnungen beliebt, die realistische Elemente mit abstrakten Ansätzen vereinen. Hier erkennt der Betrachter ihm vertraute Motive, die der Zeichner durch die Abstraktion verfremdet hat. Dadurch erhält die Zeichnung eine besondere Note und eine individuelle Handschrift, obwohl sie ein bekanntes Thema darstellt.

 

Die Genres von Zeichnungen

Letztlich gibt es kein Motiv und kein Thema, das nicht in Form einer Zeichnung dargestellt werden könnte. Ähnlich wie in der Musik oder der Literatur kennt aber auch die Zeichnung verschiedene Genres. Neben freien Zeichnungen als eigenständige Kunstwerke gehören hierzu unter anderem folgende:

  • Comics sind gezeichnete Geschichten. Dabei erzählen sie die Geschichten, indem sie Zeichnungen von aufeinanderfolgenden Szenen aneinanderreihen. Die Motive werden meist in eher schlichter Form dargestellt, die Zeichnungen leben in erster Linie von den Konturen. Linien, die als Strahlen, Zacken oder Blitze in die Zeichnung eingefügt sind, sind wichtige Ausdrucksmittel der Bildsprache.

 

  • Cartoons nutzen ähnliche Zeichentechniken wie Comics. Sie erzählen aber nicht unbedingt eine Geschichte. Stattdessen sind Cartoons humorvolle, heitere und mitunter freche Zeichnungen, die sich meist auf die Darstellung einer Pointe beschränken.

 

  • Illustrationen sind Zeichnungen, die Texte in Bilder übersetzen. In Büchern sollen Illustrationen die Phantasie des Lesers anregen. Die große Kunst besteht darin, das Geschriebene durch die Zeichnungen zu veranschaulichen, ohne dabei die Bilder, die ihm Kopf des Lesers entstehen, zu sehr einzuschränken oder in eine bestimmte Richtung zu lenken.

 

  • Karikaturen sind überspitzte Darstellungen von realistischen Bildmotiven. Oft werden Menschen karikiert. Dabei werden markante Gesichtszüge, besondere körperliche Merkmale oder prägende Charaktereigenschaften durch eine bewusste Überbetonung ganz gezielt in den Vordergrund gerückt. Karikaturen können humorvoll sein, aber auch eine ironische oder satirische Note haben.

 

  • Skizzen sind Zeichnungen, die schnell und meist zu Übungszwecken angefertigt werden. Sie werden eher selten als das eigentliche Kunstwerk betrachtet. Stattdessen sind Skizzen in erster Linie ein handwerkliches Hilfsmittel, das die Grundlage für die spätere Zeichnung oder Malerei schafft.

 

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