Was ist eine Zeichnung? – 3. Teil

Was ist eine Zeichnung? – 3. Teil

 

Ein gemaltes Bild lebt von seinen farbigen Flächen. Im Unterschied dazu charakterisiert sich eine Zeichnung durch Linien. Was in der Theorie recht einfach klingt, lässt in der Praxis aber nicht immer klare Grenzen zu.

Schließlich ist es problemlos möglich, mit Pinsel und Farbe Linien zu ziehen, während mit einem Stift Flächen angelegt und eingefärbt werden können. Wir nehmen die Zeichnung deshalb einmal genau unter die Lupe und gehen in einer mehrteiligen Reihe der Frage nach: Was ist eine Zeichnung?

Im ersten Teil der Beitragsreihe haben wir die charakteristischen Merkmale einer Zeichnung und verschiedene Zeichentechniken erklärt. Im zweiten Teil haben wir uns mit den Absichten von Zeichnungen und den verschiedenen Genres beim Zeichnen beschäftigt.

 

In diesem dritten Teil klären wir die Frage, was eine gute Zeichnung ausmacht:

 

Die Merkmale einer guten, gelungenen Zeichnung

Viele Hobby-Zeichner sind mit ihren Zeichnungen unzufrieden. Irgendwie will es einfach nicht klappen, dass die Zeichnungen am Ende so aussehen, wie es ursprünglich geplant war. Manchmal ist es die Zeichnung im Ganzen, manchmal sind es nur kleine Details, die komisch oder falsch wirken.

Andere Hobby-Zeichner finden ihre Arbeiten gut, erhalten von Dritten aber nicht das erwartete positive Feedback. Wieder andere Hobby-Zeichner tun sich generell schwer damit, ihre eigenen Zeichnungen zu bewerten. Dabei stellt sich die Frage, wie denn beurteilt werden kann, ob eine Zeichnung gut und gelungen ist oder ob nicht.

Zunächst gilt, wie überall in der Kunst, dass es keine richtigen oder falschen Zeichnungen gibt. Ob eine Arbeit gelungen und ansprechend ist, lässt sich nicht anhand von pauschalen, allgemeingültigen Kriterien bewerten. Kunst ist immer auch eine Sache des Geschmacks und was der eine besonders schön findet, kann einem anderen so gar nicht gefallen.

Hinzu kommt, dass jeder Betrachter eine Arbeit anders sieht. So wird ein Freund eine Zeichnung anders anschauen als ein kunstinteressierter Laie und wieder anders als ein Professor an einer Kunsthochschule oder ein Galerist.

 

Allerdings gibt es trotzdem drei Gesichtspunkte, die herangezogen werden können, um eine künstlerische Arbeit und damit auch eine Zeichnung zu beurteilen:

 

  1. Das handwerkliche Können

Die handwerkliche Leistung des Zeichners kann auch ein Laie recht gut beurteilen. So sprechen klare, saubere Linien und ausdrucksstarke Striche dafür, dass der Zeichner mit seinem Zeichenstift umzugehen weiß. Wackelige Linien, unsauber verwischte Striche, eindeutig erkennbare Korrekturen oder offensichtliche Radierspuren hingegen lassen eine Zeichnung fehlerhaft erscheinen.

 

  1. Die Bildidee und die Aussage

Das Motiv, das die Zeichnung zeigt, ist ein weiteres wichtiges Kriterium. In diesem Zusammenhang geht es unter anderem darum, ob die Bildidee zu erkennen ist, ob das Motiv stimmig wirkt, ob die Zeichnung eine Aussage hat und ob das Motiv realistisch dargestellt ist oder Raum für eigene Interpretationen bietet. Allerdings ist hier bei der Beurteilung ausschließlich der Betrachter gefragt.

Es geht also letztlich nicht darum, welche Idee der Zeichner gehabt und was er mit seiner Darstellung gemeint haben könnte. Maßgeblich ist vielmehr das, was der Betrachter sieht, wenn er die Zeichnung vor sich hat.

 

  1. Die künstlerische Qualität

Die Einschätzung der künstlerischen Leistung ist das Ergebnis vom Zusammenspiel mehrerer Informationen, die sich aus dem Kontext ergeben. Zu diesen Informationen gehören beispielsweise andere Arbeiten des Zeichners, Angaben des Zeichners über sich selbst und seine Arbeiten, die sichtbaren Entwicklungsschritte und die persönliche Handschrift, aber auch die Meinungen anderer Betrachter.

 

Für den Zeichner heißt das:

Zum einen sollte er beim Zeichnen nicht darüber nachdenken, wie Dritte seine Zeichnung vermutlich beurteilen werden. Stattdessen sollte er sich beim Zeichnen auf das Zeichnen konzentrieren. Handwerklich sollte der Zeichner also immer sein Bestes geben.

Im Laufe der Zeit, wenn der Zeichner Übung und Erfahrung gesammelt hat, wird er ganz automatisch besser und sicherer. Außerdem sollte sich der Zeichner klarmachen, dass Kunst Geschmackssache ist und er nie den Geschmack ausnahmslos aller treffen wird. Entscheidend ist deshalb, dass er selbst von seinen Arbeiten überzeugt ist.

Zum anderen sollte er seine Ziele nicht zu hoch stecken. Ein Zeichenanfänger sollte nicht den Anspruch erheben, ein großartiges Motiv zu kreieren, das durch raffinierte Details besticht und mit einer starken Aussage fesselt. Legt der Zeichner derart hohe Maßstäbe an, ist die Gefahr groß, dass er die Lust am Zeichnen verliert und frustriert aufgibt.

Besser ist deshalb, mit eher schlichten Motiven zu beginnen. Geht der Zeichner mit offenen Augen durch die Welt, wird er in seinem direkten Umfeld unzählige Gegenstände und Ideen finden, die er zeichnerisch umsetzen kann. Und ein scheinbar simples Motiv, das handwerklich gut gemacht ist, kann eine sehr viel ausdrucksstärkere und interessantere Zeichnung entstehen lassen als ein komplexer Bildgegenstand, der bestenfalls halbherzig umgesetzt wurde.

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