Wie und warum die rechte Gehirnhälfte beim Zeichnen hilft

In Büchern, auf Internetseiten, die sich mit dem Thema beschäftigen, in Anleitungen und Ratgebern sowie in Kursen wird immer wieder erklärt, dass jeder das Zeichnen lernen kann.

Gleichzeitig wird mitunter darauf hingewiesen, dass das Zeichnen nicht nur eine Mischung aus Kunst und Handwerk ist, sondern dass auch das Gehirn eine nicht unwichtige Rolle spielt.

Nun wird sich so mancher aber vielleicht fragen, was das Gehirn denn mit dem Zeichnen zu tun haben soll. Was sich hinter dieser Theorie verbirgt und wie und warum die rechte Gehirnhälfte beim Zeichnen hilft, wird im Folgenden erklärt:  

Weshalb fällt es vielen Erwachsenen

schwerer zu zeichnen als Kindern?

Kinder zeichnen meist ganz spontan und ohne sich großartig Gedanken zu machen. Sie nehmen einfach einen Stift und ein Stück Papier zur Hand und malen drauflos. Ob das Männchen, das Haus, das Tier, der Baum oder das Auto, das sie gezeichnet haben, Ähnlichkeit mit der realen Vorlage hat oder ob nicht, kümmert sie wenig.

Ab etwa dem zehnten Lebensjahr ändert sich diese natürliche, unverfälschte Haltung. Die Zeichnungen aus frühen Kindertagen wirken irgendwie komisch und falsch. Stattdessen wird zunehmend versucht, genau hinzusehen und so zu zeichnen, wie die Motive tatsächlich aussehen. Die Schwierigkeit, die sich dabei ergibt, besteht darin, dass das, was die Augen sehen, nicht mit dem übereinstimmt, was die linke Gehirnhälfte an Wissen gespeichert hat.

So weiß die linke Gehirnhälfte beispielsweise, dass sich ein Würfel aus sechs gleichgroßen Flächen zusammensetzt. Für die Augen hingegen wirken die Flächen unterschiedlich groß und je nach Perspektive ändern sich diese Größenverhältnisse auch noch. Diese Widersprüche gewinnen im Laufe der Zeit immer mehr an Gewicht. Dies wiederum führt dazu, dass viele Erwachsene das Zeichnen als schwierig empfinden und oft irgendwann damit aufhören.    

Was hat das Gehirn mit dem Zeichnen zu tun?

Die Arbeitsweise des Gehirns damit zu erklären, dass sich das Gehirn in eine rechte und eine linke Gehirnhälfte einteilen lässt und jeder der beiden Gehirnhälften bestimmte Fähigkeiten zugeordnet werden können, ist sicherlich sehr stark vereinfacht. Aber durch diese sehr vereinfachte Erklärung lässt sich recht gut veranschaulichen, wie Daten verarbeitet werden. Beim Zeichnen geht es zunächst einmal darum, ein Motiv mit den Augen abzutasten.

Dabei kümmert sich die visuelle Wahrnehmung nicht um das Motiv als solches, sondern zerlegt es in Einzelteile und nimmt Linien, Striche, Punkte, Kurven und Winkel wahr. Für die Verarbeitung von solchen bildlichen Daten und Informationen ist die rechte Gehirnhälfte zuständig.

Die Schwierigkeit besteht nun aber darin, dass sich im Zuge der Datenverarbeitung auch die linke Gehirnhälfte einschaltet. Die linke Gehirnhälfte ist für das begriffliche Denken verantwortlich und ruft die Informationen ab, die sie zu einem bestimmten Begriff oder Symbol abgespeichert hat. Da diese Informationen nicht immer mit dem übereinstimmen, was die Augen sehen, will sich ein Motiv mitunter einfach nicht zu Papier bringen lassen.  

Wie und warum kann die rechte Gehirnhälfte beim Zeichnen helfen?

Die rechte Gehirnhälfte ist, vereinfacht erklärt, für das bildliche Denken zuständig. Beim Zeichnen, bei dem es ja darauf ankommt, Bilder zu sehen und wiederzugeben, wäre also die rechte Gehirnhälfte gefordert. Da die linke, begriffsorientierte Gehirnhälfte jedoch ihre vorhandenen Informationen beisteuert, fällt es vielen schwer, das zu zeichnen, was sie tatsächlich sehen.

Aus diesem Grund beschäftigen sich viele Anleitungen und Kurse mit den verschiedenen Zeichentechniken und den Regeln zum Aufbau von Motiven, zur Perspektive oder zum richtigen Setzen von Lichtern und Schatten. Dies wiederum spricht aber erneut das begriffliche Denken und damit die linke Gehirnhälfte an und wirkt gleichzeitig dem spontanen, unverfälschten Sehen und Wahrnehmen entgegen.  

Welche Tricks können beim Zeichnen helfen?

Das Zeichnen ist prinzipiell weniger eine Frage des Talents oder der Fähigkeit, einen Stift gekonnt über das Papier zu führen. Wäre dies der Fall, würde sich dies auch auf beispielsweise das Schreiben oder die Fertigkeit, eine Unterschrift präzise unter ein Dokument zu setzen, auswirken. Stattdessen ist das Zeichnen in erster Linie eine Frage des richtigen Sehens.

Dies wiederum lässt sich trainieren, indem verstärkt mit der rechten Gehirnhälfte gearbeitet und die linke Gehirnhälfte gleichzeitig ausgetrickst wird. Zu Übungszwecken ist es sehr hilfreich, wie ein Fotokopierer vorzugehen. Besonders zu bekannten Motiven wie beispielsweise Bäumen, Häusern oder Gesichtern sind nämlich viele Informationen abgespeichert, die unbewusst in die Zeichnung einfließen. Ein bewährter Trick, um einen Baum oder ein Haus zu zeichnen, besteht darin, ein Blatt Papier auf die Fensterscheibe zu legen und die Konturen nachzufahren.

Durch dieses Abpausen entsteht eine Skizze, die anschließend weiter ausgearbeitet werden kann. Genauso lassen sich Motive mithilfe von Fotos üben. Nun wird so mancher aber vielleicht anmerken, dass das Abpausen nicht unbedingt mit richtigem Zeichnen gleichzusetzen ist.

Dies ist zwar ein Stück weit richtig, allerdings geht es beim Abpausen und Kopieren auch in erster Linie darum, zu trainieren, das und wirklich nur das zu zeichnen, was tatsächlich zu sehen ist. Ist diese Art des Zeichnens zur Routine geworden, kann auf Hilfsmittel verzichtet werden.  

Eine andere Möglichkeit, um die linke Gehirnhälfte beim Zeichnen auszutricksen, besteht darin, die Vorlage auf den Kopf zu stellen. Dadurch erkennt die linke Gehirnhälfte keine typischen Symbole und weil sie deshalb auch keine dazugehörigen Informationen beisteuern kann, überlässt sie die Arbeit der rechten Gehirnhälfte.

Diese wiederum kann sich ohne Einmischungen auf das konzentrieren, was die Augen sehen. Ein probates Mittel aus der Trickkiste ist aber auch ein Spiegel. Dreht sich der Zeichner um und sieht er sich seine Zeichnung in einem Spiegel an, werden ihm Stellen auffallen, die noch nicht stimmig sind und überarbeitet werden sollten. Auch hier fallen Fehler deshalb auf, weil die Zeichnung ohne Beeinflussung durch die linke Gehirnhälfte betrachtet wird.

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