Grundwissen zu Acrylfarben – Ölfarben und Aquarellfarben

Grundwissen zu Acrylfarben – Ölfarben und Aquarellfarben

Wer nicht immer nur Zeichnungen und Skizzen mit dem Bleistift, der Tusche oder Kohle anfertigen, sondern seine Werke kolorieren oder auch zu echten Gemälden weiterbearbeiten möchte, findet heute im Handel eine riesige Palette an unterschiedlichen Farben.

Grundwissen zu Acrylfarben - Ölfarben und Aquarellfarben

Nicht zuletzt den Fortschritten der chemischen Industrie ist es zu verdanken, dass heute die verschiedensten Farben für die unterschiedlichsten Zwecke erhältlich sind. So gibt es natürlich nach wie vor die traditionellen Farben sowie Farblacke und synthetische Emulsionen.

Daneben finden sich aber beispielsweise auch Metallic-Lacke, ungiftige und umweltfreundliche Anstreichmittel, Bitumenfarben, Brandschutz- und Insektizidanstriche oder Rostschutzmittel in den Regalen.

In vielen Geschäften ist es außerdem möglich, sich mithilfe von computergestützten Verfahren zur Farbmischung exakt den gewünschten Farbton in der jeweils erforderlichen Menge anrühren zu lassen, falls die benötigte Farbe trotz der riesigen Farbauswahl nicht vorhanden sein sollte.

Welche Farben verwendet werden können und sollten, hängt natürlich immer vom konkreten Projekt ab.

Nicht alle Farben sind für alle Zwecke und alle Malgründe gleichermaßen gut geeignet. Hinzu kommt, dass jede Farbe ihre spezifischen Eigenschaften aufweist, etwa im Hinblick auf die Handhabung oder die Trocknungszeiten.

Für den Laien ist es daher oft gar nicht so einfach, sich bei dem großen Angebot zurechtzufinden und mitunter wird der Rat des Fachhändlers unumgänglich sein.

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In den meisten Fällen erweisen sich jedoch die klassischen Farben als ideale Lösung und um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, hier etwas Grundwissen zu Acryl-, Öl- und Aquarellfarben in der Übersicht:  

Grundwissen zu Acrylfarben

Acrylfarben eignen sich für nahezu jeden Untergrund und hinterlassen satte, glänzende Farbflächen. Zudem ermöglichen Acrylfarben nahezu alle Maltechniken.

Ein Pluspunkt der Farben liegt darin, dass auf eine Grundierung des Malgrundes in aller Regel verzichtet werden kann. Die Farben sind in vielen unterschiedlichen Farben erhältlich, können aber auch untereinander gemischt werden.

Acrylfarben sind sehr leicht zu handhaben und bieten gegenüber Ölfarben die großen Pluspunkte, dass sie nahezu geruchlos sind und schnell trocknen.

Ist eine längere Trocknungszeit erforderlich, beispielsweise um die Farbflächen weiter zu bearbeiten oder mit besonderen Effekten zu versehen, kann den Farben aber ein Trocknungsverzögerer hinzugefügt werden.

Acrylfarben können außerdem in verschiedenen Konsistenzen vermalt werden. So können die Farben direkt aus der Tube zum Einsatz kommen, aber durch entsprechende Malmittel auch zu dickflüssigen, pastenartigen Farben angemischt werden.

Um die Farben lasierend zu verwenden, ist die Zugabe von Wasser möglich, einige Farben können außerdem auch mit Terpentin, Nitroverdünnung und Latex vermischt werden.

Ist ein deckender Farbauftrag erwünscht, sind Acrylfarben empfehlenswert, die Gouache enthalten, denn solche Farben decken stärker als herkömmliche Acrylfarben.

Pinsel, Reiniger und andere Werkzeuge lassen sich nach dem Gebrauch problemlos mit Wasser und eventuell etwas Seife reinigen.

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Grundwissen zu Ölfarben

Ölfarben bestehen im Wesentlichen aus fein gemahlenen Farbpigmenten, die in Leinöl gelöst sind. Ist das Öl getrocknet, entsteht eine harte, wasserunlösliche und extrem lange haltbare Schicht.

Ölfarben waren Jahrhunderte lang die bevorzugten Farben von Künstlern, weil die Farbbrillanz, Leuchtkraft und Sättigung von keiner anderen Farbe erreicht werden kann.

Allerdings gilt die Ölmalerei auch als Königsdisziplin, denn das Malen mit Ölfarben ist recht anspruchsvoll und deutlich schwieriger als mit Acrylfarben.

Mittlerweile haben sich Acrylfarben jedoch zur echten Konkurrenz entwickelt, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass Ölfarben wesentlich langsamer trocknen. Für Projekte, die eine sehr lange Bearbeitungszeit erfordern, ist dies zwar von Vorteil, generell ermöglichen Ölfarben jedoch kein allzu schnelles Arbeiten.

Zudem erfordern Ölfarben immer eine entsprechende Grundierung des Malgrundes. Ähnlich wie Acrylfarben sind auch die etwas teureren Ölfarben von verschiedenen Herstellern, in unterschiedlichen Qualitäten und in unzähligen Farbtönen erhältlich.

Um die Konsistenz zu verändern, können die Farben mit verschiedenen Malmitteln vermischt werden und auch Ölfarben eignen sich für sehr viele, unterschiedliche Malgründe. Die Reinigung der Pinsel und Werkzeuge erfolgt mittels Terpentin.

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Grundwissen zu Aquarellfarben

Die beiden Hauptbestandteile von Aquarellfarben sind fein gemahlene Farbpigmente und Gummiarabikum. Erhältlich sind die Farben in Form von kleinen Farbtöpfchen, Farbplättchen oder auch in Tuben.

Aquarellfarben werden immer mit einem feuchten Pinsel aufgetragen, der Malgrund ist dabei je nach Maltechnik und gewünschten Effekten ebenfalls feucht oder trocken.

Sobald das Wasser verdunstet ist, bindet das Gummiarabikum dann die Farbe wieder. Aquarellfarben sorgen für weiche, transparente Farbeffekte mit weichen Übergängen.

Wichtig beim Malen mit Aquarellfarben ist aber, darauf zu achten, dass nicht zu viele Farben ineinanderfließen, denn dadurch würden lediglich gräulich-braune Farbflächen entstehen.

Aquarellfarben können sowohl auf Papier und Malpappe als auch auf Holz angewendet werden. Damit der Farbauftrag seine volle Wirkung entfalten kann, sollte der Malgrund insgesamt aber recht hell sein.

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Weiterführendes Grundwissen: Auswahl, Technik & Praxis

Lichtechtheit, Deckkraft & Pigmentcodes

Lichtechtheit (z. B. ASTM I–III) gibt an, wie farbstabil ein Ton bei Licht bleibt. ASTM I/II gilt als ausstellungs- und archivwürdig. Transparente Pigmente eignen sich für Lasuren, deckende für körperhafte Flächen.

Ein Blick auf die Pigmentcodes (etwa PB29 Ultramarin, PR101 Eisenoxidrot) hilft, gezielt zu kaufen – statt „Nur-Marketing-Namen“.

Merke: Transparenz + Lasur = Tiefe; Deckkraft + Körper = Form. Wer Poren füllt, verliert Leuchten – wer schichtet, gewinnt Brillanz.

Malgründe & Grundierung richtig wählen

  • Leinwand/Keilrahmen: universell; mit Acryl-Gesso grundiert (1–3 Schichten, kreuzweise). Glatter Schliff = feinere Lasuren; rauer Auftrag = mehr Griff für Impasto.
  • Holz/MDF: stabil, plan; Kanten versiegeln, dann Gesso. Ideal für pastose Acryl- oder Ölmalerei.
  • Papier (Aquarell): 100 % Baumwolle, 300 g/m² aufwärts. Hot Pressed (HP): glatt, Details; Cold Pressed (CP/NOT): allround; Rough: Textur, Granulation.
  • Papier (Acryl/Öl): spezielles Acryl-/Ölpapier oder mit Gesso vorbereiten. Öl nie direkt auf rohes Papier: Öl wandert und versprödet.

Malmittel & was sie leisten

Acryl:

  • Acryl-Gel/Heavy Gel: baut Volumen für Impasto, hält Spachtelspuren.
  • Fluid/Glaze Medium: verlängert Offenzeit, macht Lasuren streifenarm.
  • Flow Improver: reduziert Oberflächenspannung für gleichmäßige Flächen.
  • Retarder/Open-Acryls: mehr „Spielzeit“ für Nass-in-Nass.

Öl:

  • Leinöl/Standöl: erhöht Glanz, Transparenz, Verlauf – perfekt für Glazes.
  • Terpentinersatz (geruchsarm): Verdünnen/Reinigen; stets gut lüften.
  • Alkyd-Medien: beschleunigen Trocknung, gut für Schichtmalerei mit Termindruck.

Aquarell:

  • Maskierflüssigkeit: Weiß „stehen lassen“, danach wegrubbeln.
  • Oxgall/Netzmittel: verbessert Verlauf, nützlich bei dichten Papieren.
  • Glycerin-Additive: minimal einsetzen für längere Offenzeit auf der Palette.

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Schichtaufbau & Materialverträglichkeit

  • Öl: fett über mager. Dünn und lösemittelreich beginnen („mager“), jede weitere Schicht ölreicher. So verhinderst du Risse.
  • Acryl schrumpft beim Trocknen. Dicke Schichten = in mehreren Durchgängen aufbauen, sonst Krokodilhaut.
  • Kombinationen: Öl auf Acryl-Grund funktioniert (Acryl als flexible Sperrschicht). Acryl auf Öl hält nicht dauerhaft – Finger weg.

Kerntechniken – kurz & knackig

  • Impasto (Acryl/Öl): pastos mit Spachtel; gerichtetes Licht erzeugt Relief.
  • Lasur/Glaze (Acryl/Öl): transparente Schichten für Tiefenleuchten; trocknen lassen, dann nächste Lasur.
  • Alla-prima (Öl): „nass in nass“ in einer Sitzung – ideal für lebendige Kanten.
  • Scumbling (Acryl/Öl): trockene, helle Farbe hauchdünn über dunkle, Textur „fängt“ Pigment.
  • Nass-in-Nass (Aquarell): weiche Verläufe, Himmel/Wasser.
  • Negativmalerei (Aquarell): Umrisse der Form durch Malen der Zwischenräume definieren – starke Tiefe ohne „Outlines“.

Gouache: die vierte im Bunde

Gouache ist wasserlöslich wie Aquarell, aber deckend und matt. Perfekt für grafische Flächen, Poster-Look oder Korrekturen. Auf hochwertigem Papier trocknet sie samtig und lässt sich mit Wasser wieder anlösen – ideal fürs Skizzieren und Reisen.

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Werkzeuge & Pinselpflege

  • Borste (Schwein): robust, formstabil – Öl/Acryl pastos.
  • Synthetik: elastisch, feine Kanten – Acryl allround, Aquarell kontrolliert.
  • Naturhaar (z. B. Kolinsky): hält viel Wasser – Aquarell Deluxe.
  • Spachtel: für Impasto, saubere Kanten, Farbmischung auf der Palette.

Pflege: Acryl sofort in Wasser + Seife reinigen; Öl in Lösemittel, dann Pinselseife. Pinsel nie auf Borsten stehen lassen.

Sicherheit, Gesundheit & Umwelt

  • Lüften bei Öl/Lösemitteln, geschlossene Gläser, selbstentzündliche Lappen (Leinöl!) ausgebreitet trocknen oder in Metallbehälter.
  • Metallpigmente/Cadmium/Cobalt: sachgerecht verwenden, nicht abschleifen/versprühen; Kinder/Haustiere fernhalten.
  • Acryl-Schlämme nicht in den Abfluss; Partikel absetzen lassen und Feststoffe entsorgen.
  • Geruchsarme/ungiftige Alternativen wählen, wenn möglich.

Schutz, Firnisse & Präsentation

  • Acryl: nach Durchtrocknung Acryl-Firnis (matt, seidenmatt oder glänzend). Vorher staubfrei machen.
  • Öl: Retuschierfirnis frühestens nach Wochen für einheitlichen Glanz; Schlussfirnis erst nach vollständiger Oxidation (je nach Schichtdicke Monate).
  • Aquarell: meist unter Glas rahmen, Abstandhalter (Spacers) gegen Anhaften.
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Typische Fehler – und schnelle Abhilfe

  • Schlammige Mischungen: zu viele Pigmente im Mix; auf Limit-Palette starten (z. B. Titanweiß, Primärgelb, Quinacridon-Magenta, Phthaloblau + Erde).
  • Rissbildung (Öl): Regel „fett über mager“ ignoriert → Schichtfolge prüfen.
  • Fahle Acrylfarben: Trocknungs-Shift einkalkulieren; für satte Tiefen Glaze Medium oder Gloss-Gel nutzen.
  • Kreidige Aquarelle: Papier saugt zu stark oder zu dünn → 100 % Baumwolle, 300 g/m² wählen, Farbe nicht „toten“ überarbeiten.

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Starter-Sets (praxisnah, budgetfreundlich)

Acryl (Allround): Titanweiß, Hansa-Gelb mittel, Quinacridon-Magenta, Phthaloblau (GS), Ultramarin, Transparentes Oxidbraun, Elfenbeinschwarz; Gel-Medium, Glaze Medium; Flach- & Rundpinsel Synthetik, Malmesser, Gesso-Grund.

Öl (klassisch): Titanweiß, Cadmium-(Hue)-Gelb hell, Alizarinkarmesin (permanent), Ultramarin, Phthalogrün, Ocker, Umbra gebrannt; Leinöl, geruchsarmer Verdünner; Borstenpinsel, grundierte Leinwand.

Aquarell (kompakt): Zitronengelb, Quinacridon-Rose, Phthaloblau (GS), Ultramarin, Türkis/Phthalogrün, Siena gebrannt; Maskierflüssigkeit, großer Mop-Pinsel, CP-Papier 300 g/m².

Mini-FAQ

  • Kann ich Öl über Acryl malen? Ja – auf gut durchgetrockneter Acrylgrundierung.
  • Acryl über Öl? Nein, das haftet langfristig schlecht.
  • Wie erkenne ich gute Lichtechtheit? ASTM I/II bzw. Herstellerskala (höchste Stufe wählen).
  • Wann firnissen?:

Acryl: nach Trocknung der gesamten Schicht.

Öl: Retuschierfirnis nach Wochen, Schlussfirnis erst nach kompletter Durchtrocknung (Monate).

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