Schatten zeichnen – eine aktuelle Grundanleitung

Schatten zeichnen – eine aktuelle Grundanleitung

Durch Licht und Schatten entfaltet ein Bildmotiv eine räumliche Wirkung. Die gezeichneten Flächen wirken durch die dreidimensionale Darstellung plastischer und natürlicher. Der Betrachter erhält außerdem zusätzliche Informationen über die Form und die Lage der einzelnen Bildobjekte.

Hinzu kommt, dass die Kontraste zwischen hellen und dunklen Bereichen eine Spannung erzeugen, die der Zeichnung Tiefe verleihen und sie insgesamt lebendiger und dynamischer wirken lassen. Dabei basiert das Zeichnen von Schatten auf ein paar einfachen Regeln. Im Sinne einer Art Grundanleitung erklärt der folgende Beitrag, wie Schatten richtig gezeichnet werden.

 

Schatten zeichnen –  Grundlegendes vorab

Je stärker die Kontraste zwischen Hell und Dunkel sind, desto plastischer wirkt das Bildmotiv. Denn die Schatten betonen die Konturen und definieren dadurch die Form des Objekts. Sind die Kontraste hingegen nur schwach ausgeprägt, wirkt das Bildmotiv flacher und verschwommener. Der Zeichner kann also ruhig mit den Extremen spielen und in seiner Zeichnung sowohl sehr helle, vielleicht sogar weiße als auch sehr dunkle, nahezu schwarze Bereiche gestalten.

Entscheidend beim Zeichnen von Schatten ist aber gar nicht die Lichtmenge. Stattdessen kommt es in erster Linie auf die Richtung des Lichts an. Das lässt sich gut an einem Beispiel verdeutlichen: Angenommen, an einem Sommertag ist der Himmel stark bewölkt. Trotz der Wolken ist es an diesem Tag hell. Allerdings fällt das Licht diffus auf die Erde, weil es von den Wolken gefiltert wird. Ist der Himmel hingegen wolkenlos, ist es dadurch nicht heller. Aber das Licht fällt ungefiltert auf die Erde und wenn es ein Objekt punktförmig anleuchtet, ist der Schatten klarer und viel stärker ausgeprägt.

Für eine Zeichnung sind betonte Konturen durch klare Schatten meist vorteilhafter als verschwommene Flächen in diffusem Licht. Denn auf diese Weise wirkt die Zeichnung ausdrucksstärker. Im Zusammenhang mit Schatten müssen aber zwei Arten voneinander unterschieden werden, nämlich

  • der Eigenschatten, der auf dem Objekt selbst entsteht, und
  • der Schlagschatten, den das Objekt wirft.

Eigenschatten zeichnen

Um ein Gespür für das Zeichnen von Schatten und die räumliche, plastische Darstellung von Objekten zu entwickeln, ist es ratsam, mit sehr einfachen Formen zu beginnen. Wenn der Zeichner etwas Übung und Erfahrung hat, kann er sich immer noch an komplexere und unregelmäßig geformte Objekte heranwagen. Um die Anleitung zu veranschaulichen, erklären wir das Zeichnen von Schatten anhand eines simplen Würfels. Wir arbeiten dabei mit einer Zeichnung, die am Computer erstellt wurde, weil so einfacher ist, die verschiedenen Schritte darzustellen.

Für einen Würfel muss der Zeichner nur wenige Linien aufs Papier bringen. Die Skizze ist im Handumdrehen fertig und der Würfel als Bildobjekt gut zu erkennen. Allerdings hat der Würfel so wenig Aussagekraft. Deshalb werden im zweiten Schritt die Eigenschatten eingezeichnet. Die Eigenschatten sind die hellen und dunklen Flächen auf dem Würfel selbst. Wie sich die Flächen verteilen, hängt davon ab, wo sich die Lichtquelle befindet. Fällt das Licht beispielsweise von links oben auf den Würfel, ist die Oberseite sehr hell und die Vorderseite, die von der Lichtquelle abgewandt ist, sehr dunkel.

Im Prinzip würde es ausreichen, wenn der Zeichner nur die beiden Flächen des Würfels, die kein direktes Licht abbekommen, abdunkelt. Die Oberseite könnte der Zeichner so weiß lassen, wie sie ist. Allerdings wirkt der Würfel dadurch etwas merkwürdig, denn es scheint, als wäre die Oberseite durchsichtig. Deshalb sollte der Zeichner auch die Oberseite ganz leicht einfärben. Hier genügt es aber, wenn der Zeichner die Fläche wirklich nur so minimal einfärbt, dass sie sich gerade eben von ihrer weißen Umgebung absetzt.

[Schatten 1]

 

Schlagschatten zeichnen

Durch die eingezeichneten Eigenschatten ist aus dem einfachen Würfel ein räumlicher Körper entstanden. Trotzdem wirkt die Zeichnung unvollständig. Denn es sieht so aus, als würde der Würfel nicht auf dem Boden stehen, sondern über dem Untergrund schweben. Deshalb kommt jetzt der Schlagschatten ins Spiel. Der Schlagschatten ist der Schatten, den das Objekt, in unserem Fall der Würfel, auf ein anderes Objekt wirft. Wie der Schlagschatten aussieht, hängt von drei Faktoren ab, nämlich

  1. von der Form des Objekts,
  2. von der Form und der Lage des Untergrunds und
  3. von der Position der Lichtquelle.

Dabei kann der Schlagschatten perspektivisch konstruiert werden. In diesem Fall kommt zu den beiden Fluchtpunkten, die die Form des Würfels vorgeben, noch ein dritter Fluchtpunkt dazu. Dieser dritte Fluchtpunkt stellt die Lichtquelle dar und aus seinen Strahlen ergibt sich der Schlagschatten.

[Schatten 2]

In vielen Fällen ist es aber gar nicht notwendig, den Schlagschatten aufwendig zu konstruieren. Denn wenn der Zeichner das Objekt vor sicht hat, kann er den Schatten einfach nur abzeichnen.

 

Die Schatten fertig stellen

Wenn nun in der Zeichnung der Eigen- und der Schlagschatten zusammenkommen, sind die Schatten als solches zwar vorhanden. Trotzdem wirkt die Zeichnung noch immer nicht stimmig. Ein Grund hierfür ist, dass die Flächen bei einer Handzeichnung niemals so gleichmäßig eingefärbt sind wie bei unserer Computerzeichnung.

Der andere Grund ist, dass der Schlagschatten selbst dann, wenn die Lichtquelle das Objekt direkt beleuchtet, an den Rändern immer heller wird. Je weiter die Schattenfläche vom Objekt entfernt ist, desto stärker hellt sie sich auf. Reflektionen von anderen Objekten und die Lichtstreuung führen außerdem dazu, dass die Kanten verwischen.

Würde der Zeichner jetzt aber nur den Schlagschatten aufhellen, würde der Schlagschatten zwar natürlicher wirken. Gleichzeitig würde der Würfel aber wieder anfangen, über dem Boden zu schweben. Auch das ist der Reflektion geschuldet.

Denn während die Reflektion des Lichts die Schatten an den Rändern heller werden lässt, reflektieren die Flächen des Objekts die benachbarten Flächen. Das führt dazu, dass die Kanten des Würfels im Schattenbereich noch dunkler sind. Hier wird der dunkle Schatten nämlich gespiegelt. Im Unterschied dazu werden im oberen Bereich des Würfels die helleren Stellen neben dem Schatten gespiegelt. Dunkelt der Zeichner den Bodenbereich des Würfels also ab, scheint der Würfel tatsächlich auf dem Boden zu stehen.

[Schatten 3]

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