Regeln beim Zeichnen von Portraits

In der Kunst werden Portraits überwiegend als sogenannte Halbportraits dargestellt. Bei einem Halbportrait ist das Gesicht nicht frontal zu sehen, sondern der Kopf ist mehr oder weniger stark zur Seite gedreht.

Dies hat zur Folge, dass die räumliche Struktur des Kopfes detaillierter dargestellt werden kann. So ist beispielsweise sichtbar, wie weit die Backenknochen hervorstehen, welche Form das Kinn hat und wie das Nasenprofil verläuft.

Vor allem für Anfänger ergibt sich beim Zeichnen von Halbportraits jedoch der Nachteil, dass die einzelnen Partien und Elemente des Gesichts nicht einfach so verschoben oder in der Größe verändert werden können. Würde der Zeichner etwa die Nase ein Stück weit nach oben schieben, nach innen versetzen oder vergrößern, müsste er die gesamte Zeichnung entsprechend korrigieren.

Bei einer räumlicheren Darstellung des Gesichts hängen alle Details miteinander zusammen, so dass schon kleine Änderungen Auswirkungen auf das Gesamtbild haben. Im Unterschied zum Halbportrait enthält ein Frontalbild weniger Informationen über die portraitierte Person. Eine fliehende Stirn, eine schief verlaufende Nase oder ein spitz hervorspringendes Kinn beispielsweise lassen sich nur bedingt darstellen.

Andererseits können die Größen und die Positionen der einzelnen Komponenten des Gesichts jederzeit problemlos verändert und korrigiert werden. Um das Zeichnen von Portraits zu üben, sind Frontalportraits deshalb besser geeignet. Aber auch bei einem Frontalportrait ist natürlich wichtig, dass die Gesichtsproportionen stimmig sind. Hierzu wiederum gibt es ein paar Grundregeln.

Sie verstehen sich, wie generell in der Kunst üblich, aber weniger als verbindliche und absolute Vorgaben, sondern vielmehr als Grundgerüst im Sinne einer Orientierungshilfe.    

Die wichtigsten Regeln beim Zeichnen von Portraits

Ein Gesicht kann schematisch gegliedert werden. Um den Überblick zu behalten und die Grundstruktur festzulegen, bietet es sich deshalb an, einige Hilfslinien einzuzeichnen. Als wichtige Maßeinheit beim Zeichnen eines Gesichts dient die Breite eines Auges. Im Hinblick auf die Gesichtsproportionen bei einem Frontalbild ergeben sich dann folgende Regeln beim Zeichnen von Portraits: 

Der Kopf

Zunächst ist es hilfreich, die Gesamthöhe des Kopfes festzulegen. Hierfür werden waagerechte Hilfslinien gezeichnet, die den Kopf in vier gleichgroße Felder einteilen. Das oberste Feld reicht vom Scheitel bis zum Haaransatz. Das zweite Feld ist für die Stirn, also vom Haaransatz bis zur Nasenwurzel vorgesehen. Das dritte Feld gehört der Nase und im untersten Feld findet der Bereich zwischen Mundpartie und Kinnspitze seinen Platz. 

Die Augen

Viele Zeichner beginnen ihr Portrait an der waagerechten Hilfslinie, auf der die Augen angeordnet werden. Dabei liegen die Augen ziemlich exakt in der Mitte des Gesichts. Dies ist bei jedem Gesicht so. Hier liegt dann übrigens auch gleich die erste große Fehlerquelle. Viele neigen nämlich dazu, die Augen sehr viel höher zu positionieren. Der Abstand zwischen den Augen beträgt eine Augenbreite. Auch das ist bei jedem Gesicht so. Manchmal wirkt es zwar, als habe eine Person enger zusammenstehende oder weiter auseinander liegende Augen. Beim Nachmessen zeigt sich aber, dass der Abstand zwischen den Augen tatsächlich der Breite eines Auges entspricht.

Manchmal zeichnen sich Zeichner noch eine senkrechte Hilfslinie ein, die zwischen den Augen verläuft und die Mittelachse des Gesichts markiert. Diese Hilfslinie kann jedoch ein wenig verwirren. Dies liegt daran, dass die Gesichtshälften in den wenigsten Fällen tatsächlich gleichbreit sind.

Und auch absolut gerade Nasen sind eher die Ausnahme, weshalb die Nase nicht zwingend auf der senkrechten Hilfslinie verlaufen muss. Insofern dient eine eingezeichnete Mittelachse eher als reine Orientierungshilfe.  

Die Nase

Um die Position der Nase, oder konkreter der Nasenspitze zu ermitteln, kommen wieder Hilfslinien zum Einsatz. Wie lang eine Nase ist, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Deshalb gibt es hier auch keine konkrete Faustregel. Prinzipiell gilt nur, dass die Nasenspitze an der waagerechten Hilfslinie des dritten Feldes liegt. Für die Position der Nasenspitze werden nun zunächst zwei diagonale Hilfslinien eingezeichnet, die an den Außenkanten der Augen beginnen und in Richtung Mittelachse verlaufen.

An dem Punkt, an dem die beiden Diagonalen aufeinandertreffen, befindet sich die Nasenspitze. Diese Position entspricht ungefähr der halben Höhe zwischen den Augenbrauen und der Spitze des Kinns. Danach werden zwei senkrechte Linien an den Innenwinkeln der Augen eingezeichnet.

Durch diese Hilfslinien kann die Breite der Nase und die Position der Nasenflügel bestimmt werden. An der breitesten Stelle ist die Nase nämlich eine Augenbreite breit und da die Augen ja ebenfalls eine Augenbreite auseinander liegen, ergibt sich dieses Maß durch die senkrechten Hilfslinien automatisch.  

Der Mund

Der Mund liegt im oberen Drittel des untersten Feldes und ist ungefähr so breit wie anderthalb Augen. Oft wird der Mund durch eine waagerechte Hilfslinie markiert, die zwischen der Ober- und der Unterlippe verläuft.

Ähnlich wie die Nase ist allerdings auch der Mund bei jedem Menschen unterschiedlich, so dass die Lage und die Größe deutlich variieren können. Um die Proportionen abzuschätzen, helfen die senkrechten Linien, die die Nasenbreite markieren, ein wenig weiter. Der Mund ist nämlich etwas breiter als die Nase an der breitesten Stelle.  

Die Breite des Kopfes und die Ohren

Viele Zeichner beschäftigen sich nun zuerst mit der Gestaltung und Ausarbeitung der Augen, der Nase und des Mundes, bevor sie die Außenkonturen des Gesichts festlegen. Der Kopf ist auf der Höhe, auf der sich die Augen befinden, und damit also in der Mitte des Gesichts, etwa viereinhalb bis fünf Augenbreiten breit. Die Partien neben den Augen entsprechen somit etwas weniger als eine Augenbreite. Hier ist eine weitere typische Fehlerquelle, denn viele Anfänger wählen den Raum rechts und links der Augen zu klein.

Die Ohren befinden sich in dem Feld, das entsteht, wenn die waagerechte Hilfslinie des Mundes verlängert und eine waagerechte Hilfslinie auf Höhe der Augenbrauen eingezeichnet wird. Die genaue Position ist jedoch von Mensch von Mensch verschieden und hängt auch von der Kopfhaltung der portraitierten Person ab. Die Länge der Ohren wiederum entspricht ungefähr der Länge der Nase.

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