Infos rund um Tonwerte

Infos rund um Tonwerte

Eine Zeichnung besteht in den wenigsten Fällen aus nur einem Farbton. Stattdessen umfasst sie Farbtöne in unterschiedlichen Helligkeitsabstufungen. Diese verschiedenen Grautöne werden als Tonwerte bezeichnet.

Aber welche Funktion übernehmen die Tonwerte in der Zeichnung? Und wie werden sie zeichnerisch umgesetzt?

 

Hier die wichtigsten Infos rund um Tonwerte in der Übersicht.

Was sind Tonwerte genau?

Ein Tonwert beschreibt verschiedene Helligkeitsabstufungen innerhalb einer Zeichnung oder eines Bildes. Dabei entspricht ein Tonwert exakt einem Grauton. Ein fest definiertes Spektrum aus Farb- oder Grautönen enthält also verschiedene Grautöne und jeder Tonwert ist einer dieser Grautöne.

Die gesamte Tonwertpalette erstreckt sich von Weiß bis Schwarz und umfasst alle Grautöne, die dazwischenlegen.

Tonwerte beschränken sich aber nicht nur auf Bilder und Zeichnungen in Schwarz-Weiß. Auch farbige Bilder enthalten Tonwerte. Hier sind die Tonwerte aber durch die Farben abgedeckt. Sie werden dann sichtbar, wenn das Bild in ein Schwarz-Weiß-Bild umgewandelt wird.

In einem Bildbearbeitungsprogramm kann dies durch ein sogenanntes Histogramm erfolgen. Ein Histogramm stellt grafisch dar, welche Abstufungen die Tonwertpalette enthält und welche Tonwerte in welchen Anteilen vorhanden sind.

Statt Histogramm wird mitunter auch von einer Tonwertkurve gesprochen. Generell sind Tonwerte und Farben Gegenspieler, die sich gegenseitig aufheben. Deshalb wirkt ein Bild, bei dem durch starke Helligkeitsabstufungen starke Kontraste entstehen, weniger farbig, während andersherum die Tonwerte von stark leuchtenden Farben nur gering sind.

 

Welche Wirkung haben die Tonwerte in einer Zeichnung?

Tonwerte verleihen einer Zeichnung Tiefe und lassen sie räumlich wirken. Dies liegt daran, dass mithilfe von Tonwerten das Spiel aus Licht und Schatten nachgeahmt werden kann. Trifft Licht auf ein Objekt, treten bestimmte Partien als helle Lichtpunkte hervor, während andere Bereiche im Schatten liegen.

Zusammen mit den Licht- und Schattenverläufen entsteht so eine plastische Wirkung. Im Unterschied dazu würde eine flache, zweidimensionale Fläche fast weiß aussehen, wenn starkes Licht direkt auf sie fällt. Befindet sich die Fläche hingegen im Dunkeln, wäre sie nahezu schwarz.

Anders als reale Objekte haben Bildmotive von sich aus keine räumliche Dimension. Damit sie plastisch wirken, brauchen sie also Licht- und Schatteneffekte.

Eine weitere Funktion von Tonwerten besteht darin, dass sie Kontraste darstellen. Treffen sehr helle und sehr dunkle Tonwerte aufeinander, im Extremfall Weiß und Schwarz, fehlen die Mitteltöne dazwischen. Wird dieser Effekt bewusst eingesetzt, wird von einem betonten Hell-Dunkel-Kontrast gesprochen.

In der Realität kommen sehr starke Kontraste dann vor, wenn sehr kräftiges Licht direkt auf eine Fläche fällt. Andersherum sind die Helligkeitsunterschiede umso geringer, je diffuser das Licht ist. Bei einer Zeichnung ist es grundsätzlich ratsam, mit Kontrasten in unterschiedlichen Abstufungen zu arbeiten. Dadurch wirkt die Zeichnung nämlich lebendiger. Eine sehr kontrastarme Zeichnung hingegen kann recht schnell langweilig wirken.

 

Wie können Tonwerte zeichnerisch umgesetzt werden?

Bei Zeichnungen, aber auch in der Schwarz-Weiß-Fotografie und bei Druckgrafiken sind Helligkeitsabstufungen durch Tonwerte ein maßgebliches Gestaltungselement. Um Tonwerte zeichnerisch umzusetzen, ist die Schraffur das wichtigste Werkzeug.

Beim Schraffieren werden viele kleine Linien gezeichnet, die sich im Auge des Betrachters mit dem hellen Untergrund vermischen und zu einer Fläche verschwimmen. Dadurch entsteht der Eindruck eines Grautons. Um verschiedene Tonwerte darzustellen, stehen beim Zeichnen mit dem Bleistift drei Möglichkeiten zur Auswahl:

 

  1. Die Dichte der Linien verändern

Tonwerte in unterschiedlichen Helligkeitsabstufungen lassen sich erzeugen, indem der Abstand der einzelnen Schraffurlinien variiert wird. Je weiter auseinander die einzelnen Linien platziert sind, desto heller wirkt der Ton.

Zu groß dürfen die Abstände aber nicht sein, denn sonst besteht die Gefahr, dass sich die Linien im Auge des Betrachters nicht mehr zu einem Farbton vermischen, sondern als Einzellinien erkennbar bleiben. Werden die Linien der Schraffur eng nebeneinander gesetzt, entsteht ein dunklerer Grauton.

Um den Tonwert noch dunkler zu gestalten, können Schraffurlinien in verschiedenen Richtungen übereinandergelegt werden. Je dichter eine solche Kreuzschraffur gezeichnet wird, desto weiter rückt der entstehende Tonwert in Richtung Schwarz.

Die Form der Tonwertgestaltung kann nicht nur mit dem Bleistift, sondern mit praktisch jedem Zeichenwerkzeug umgesetzt werden. Auch bei Tuschezeichnungen kann die Dichte der Schraffurlinien abgeändert werden, um Tonwerte in unterschiedlichen Abstufungen zu zeichnen.

 

  1. Den Druck beim Zeichnen variieren

Der Druck, mit dem der Bleistift über das Papier geführt wird, wirkt sich ebenfalls auf den Tonwert der entstanden Linie aus. So werden die Striche umso dunkler und breiter, je stärker der Bleistift aufgedrückt wird. Wird der Bleistift hingegen nur sanft und ohne nennenswerten Druck über das Papier gezogen, bleiben feine, dünne und helle Striche zurück. Durch diese Methode lassen sich somit auch sehr dichte Schraffuren zeichnen, die trotzdem nicht zu dunkel sind.

Die Tonwerte durch den Anpressdruck beim Zeichnen zu variieren, funktioniert aber nur mit dem Bleistift und mit Buntstiften. Mit Tusche, dem Kugelschreiber oder einem Filzstift lässt sich die Methode nicht umsetzen.

 

  1. Mit Bleistiften in unterschiedlichen Härtegraden zeichnen

Eine weitere Möglichkeit, um unterschiedliche Tonwerte zu zeichnen, besteht darin, Bleistifte mit verschiedenen Härtegraden zu verwenden. Je weicher ein Bleistift ist, desto dunkler sind die Striche, die er hinterlässt. Im Unterschied dazu entstehen helle Grautöne, wenn mit einem harten Bleistift gezeichnet wird.

Der große Vorteil dieser Methode ist, dass ein Bleistift nur Grautöne in einem bestimmten Tonwertbereich erzeugen kann. Deshalb ist die Gefahr, dass eine Fläche versehentlich zu dunkel wird, weil die Linien zu dicht nebeneinander verlaufen oder der Druck beim Zeichnen zu groß war, nicht allzu groß. Nachteilig ist aber, dass der Zeichner sein Zeichenwerkzeug immer wieder wechseln muss.
In der Praxis wird der Zeichner oft nicht nur auf eine Methode zurückgreifen, sondern zwei oder alle drei Methoden miteinander kombinieren. Gleichzeitig nutzt er so die gesamte Bandbreite an Möglichkeiten, die ihm der Bleistift als Zeichenwerkzeug bietet.

So wird der Zeichner beispielsweise mit einem harten Bleistift beginnen und mit sanftem Druck eine breite Schraffur anlegen, um einen sehr hellen Tonwert zu erzeugen. Um dunklere Tonwerte zu zeichnen, wird der Zeichner dann den Druck beim Zeichnen erhöhen und die Linien immer enger aneinandersetzen oder auch übereinanderlegen. Dies wird er fortsetzen, bis er irgendwann zu einem weicheren Bleistift wechselt, um mit diesem dunkle Tonwerte zu zeichnen.

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