3 Tipps für Zeichnungen mit Tiefenwirkung

Beim Betrachten einer Zeichnung entsteht manchmal der Eindruck, dass sich einige Bildobjekte weiter im Vordergrund befinden, während andere Bildobjekte weiter weg im Hintergrund zu sein scheinen. Dieser Effekt wird als Tiefenwirkung bezeichnet. Vor allem beim Zeichnen von Landschaften und Städten spielt die Tiefenwirkung eine große Rolle.

Aber auch bei Zeichnungen von Zimmern und Räumen, Straßen und anderen Motiven trägt die Tiefenwirkung dazu bei, dass die Darstellung realistisch aussieht und eine interessante, lebendige Note erhält. Um Tiefe darzustellen, gibt es beim Zeichnen mehrere Techniken. Sie alle nutzen die Art und Weise, wie das menschliche Gehirn Tiefe und Räumlichkeit wahrnimmt.

Die folgende Übersicht nennt 3 Tipps für Zeichnungen mit Tiefenwirkung: 

Tipp 1: die Objektperspektive

Eine Variante der Objektperspektive ist die Fluchtpunktperspektive. Das Prinzip hinter dieser Technik lässt sich durch einen Praxisversuch sehr gut nachvollziehen. Dazu sucht sich der Zeichner einen beliebigen Gegenstand aus und schaut sich diesen Gegenstand aus einiger Entfernung an. Bei dem Gegenstand kann es sich beispielsweise um ein Bild, ein Poster, eine Person, ein Fahrzeug, ein Haus, einen Baum oder jedes andere Objekt handeln.

Wenn der Zeichner nun langsam auf den Gegenstand zugeht, scheint dieser zunehmend größer zu werden. Steht der Zeichner direkt vor dem Gegenstand, wirkt er groß, während er aus der Entfernung kleiner aussah. Der Gegenstand selbst ist natürlich nicht gewachsen. Das menschliche Gehirn stellt die Informationen über ein Objekt aber so bereit.

Je weiter weg ein Objekt ist, desto kleiner wirkt es also, während ein nahegelegenes Objekt groß aussieht. Diese Wahrnehmung nutzt auch die Fluchtperspektive. Dazu definiert der Zeichner einen oder mehrere Fluchtpunkte. Anschießend ordnet er seine Bildobjekte so an, dass sie passend zu den Fluchtpunkten und der gewünschten Entfernung größer oder kleiner dargestellt werden.

Zeichnet er beispielsweise ein Fahrrad, das er sehr groß darstellt, und ein sehr viel kleineres Haus, vermittelt er damit den Eindruck, dass sich das Fahrrad nah im Vordergrund und das Haus in einiger Entfernung im Hintergrund befinden. Ein anderes Beispiel ist eine Reihe aus Bäumen. Werden mehrere Bäume gezeichnet, die immer kleiner werden, erweckt das den Anschein, dass die Bäume in unterschiedlichen Entfernungen stehen. Das Gehirn weiß nämlich, dass die Bäume alle ungefähr gleichgroß sind, wenn sie nebeneinander stehen.

Dadurch, dass die Bäume aber kleiner werden, geht das Gehirn automatisch von verschiedenen Abständen aus. Auch bei dieser Variante der Objektperspektive spielen Fluchtpunkte eine Rolle. Hinzu kommt aber noch die Wiederholung von Bildobjekten. Um hier ein stimmiges Gesamtbild zu erzielen, ist es allerdings wichtig, die Bildobjekte gleichmäßig und in eher kleinen Schritten zu verkleinern. Außerdem sollten die Bildobjekte größenmäßig zu den anderen Objekten, die in der gleichen Entfernung liegen, passen.

Würde der Zeichner beispielsweise ein paar größere Bäume im Vordergrund, dann ein paar zunehmend kleinere Bäume im Hintergrund zeichnen, stimmt das Gesamtbild. Zeichnet er hingegen zusätzlich noch einen großen Baum im Hintergrund, entsteht keine Tiefenwirkung und die Darstellung wirkt irgendwie falsch.

Gleiches gilt, wenn er eine Person zeichnet, die er im Hintergrund platziert, aber genauso groß zeichnet wie die Bäume vorne. 

Tipp 2: die Luftperspektive

Das menschliche Gehirn nimmt Objekte, die weiter weg sind, nicht nur kleiner wahr, sondern auch blasser. In der Realität liegt dies an der Luft, die weiter entfernte Objekte heller und kontrastärmer wirken lässt. Außerdem scheinen die Objekte einen leichten Blaustich zu haben. Besonders deutlich wird dieser Effekt bei Nebel.

Das Zeichnen macht sich diese Tiefenwirkung durch die sogenannte Luftperspektive zunutze. Dabei werden Objekte im Vordergrund dunkel und mit ausgeprägten Kontrasten gezeichnet. Je weiter die Objekte im Hintergrund angeordnet werden, desto heller und eintöniger werden sie gezeichnet.  

Tipp 3: die Schärfe

Objekte in größerer Entfernung wirken kleiner und blasser. Zusätzlich dazu erscheinen sie weniger scharf. Ein Grund hierfür ist der atmosphärische Effekt der Luft. Ein anderer Grund ist, dass sich der Betrachter meist auf die Objekte im Vordergrund konzentriert und die Objekte im Hintergrund folglich eher verschwommen wahrnimmt.

Die Tiefenwirkung über die Bildschärfe zu erzielen, ist eine Methode, die auch in der Fotografie gerne genutzt wird. So sind auf Fotos die Objekte im Vordergrund oft gestochen scharf abgelichtet, während der Hintergrund zunehmend unscharf ist.

Der Zeichner kann die Methode ebenfalls einsetzen. Wenn er die Objekte im Vordergrund scharf und detailliert zeichnet, lenkt er die Aufmerksamkeit auf sie. Bildobjekte im Hintergrund kann er etwas ungenauer zeichnen oder die Motive nach dem Zeichnen leicht verwischen. Dadurch entsteht eine Tiefenwirkung.  

4 weitere Tipps für Zeichnungen mit Tiefenwirkung

Grundsätzlich entsteht eine Tiefenwirkung immer dann, wenn eine Zeichnung Tiefe und Räumlichkeit so darstellt, wie es der Betrachter gewohnt ist und erwartet. Da der Betrachter weiß, dass Objekte umso kleiner, heller und unschärfer sind, je weiter entfernt sie sich befinden, findet er sich in der Zeichnung schnell zurecht und kann die Objekte räumlich einordnen, wenn der Zeichner sie entsprechend darstellt.

Die Objektperspektive, die Luftperspektive und die Schärfe sind drei probate Techniken, um einer Zeichnung Tiefe zu verleihen.

Daneben kann der Zeichner auf folgende Mittel zurückgreifen:

1.       Bildobjekte im Vordergrund werden im unteren Teil der Zeichnung angeordnet. Bildobjekte, die weiter entfernt liegen, rücken nach oben.

2.       Bildobjekte im Vordergrund werden mit allen Details gezeichnet und sorgsam ausgearbeitet. Je weiter entfernt die Bildobjekte sind, desto weniger Einzelheiten werden dargestellt.

3.       Die Luftperspektive kann auch umgedreht werden. Dazu werden helle Bildobjekte im Vordergrund platziert. Dunkle Objekte hingegen rücken in den Hintergrund. Dadurch wirkt es, als würden die dunklen Objekte hinter oder im Schatten der hellen Objekte stehen.

Wird die Zeichnung mit Buntstiften gezeichnet oder nachträglich koloriert, werden die Bildobjekte im Vordergrund mit warmen Farben eingefärbt. Die Objekte im Hintergrund erhalten Blautöne und andere kalte Farben.

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