Serie: Tipps und Tricks für gelungene Comics, Teil II

Serie: Tipps und Tricks für gelungene Comics, Teil II

Im ersten Moment scheint es ziemlich einfach zu sein, Comics zu zeichnen. Schließlich muss der Zeichner nur mehrere Bilder aneinanderreihen und mit Text ergänzen. Ganz so einfach ist es aber nicht. Denn ein guter Comic besteht nicht nur aus ansprechenden Zeichnungen.

Stattdessen erzählt er eine interessante, spannende oder lustige Geschichte. Wichtig ist deshalb, dass sich der Zeichner eben nicht nur auf die Zeichnungen konzentriert, sondern sich eine gute Geschichte ausdenkt und im Blick behält. Beim Comiczeichnen geht es also darum, eine gute Geschichte in Bilder aufzuteilen und in Bildern zu erzählen. Doch wie geht das genau? In einer kleinen Artikelserie verraten wir Tipps und Tricks für gelungene Comics. Dabei ging es in Teil I um die Zeichenmaterialien, die Figuren, die Emotionen und die Bewegungslinien.

Hier ist Teil II!

 

  1. Die Sprechblasen

Das, was die Comicfiguren sagen oder denken, steht in Sprechblasen. Welche Form der Zeichner für seine Sprechblasen wählt, bleibt grundsätzlich ihm selbst überlassen. Wichtig ist nur, dass der Dorn der Blase zum Mund der Figur führt, die spricht. Andernfalls kann der Leser kaum zuordnen, von wem welche Aussage stammt.

Aber der Zeichner muss sich natürlich nicht auf eine Form festlegen. Stattdessen kann er auch Sprechblasen in verschiedenen Varianten zeichnen. Dadurch kann er gleichzeitig zum Ausdruck bringen, ob es sich um Gedanken oder ausgesprochene Wörter handelt. Und er kann durch die Form der Sprechblase betonen, wie die Person spricht.

Typisch für Comics ist beispielsweise, dass normale Aussagen und Ausrufe in runden, ovalen oder eckigen Sprechblasen stehen. Hat die Blase hingegen die Form einer Wolke, handelt es sich um eine Denkblase. Flüstert eine Figur ganz leise, kann der Zeichner eine gestrichelte Blase zeichnen. Einen Schrei oder ein sehr lautes Geräusch wiederum kann er durch eine gezackte Blase symbolisieren.

[Grafik Comics 1]

 

  1. Die Beschriftung der Sprechblasen

Erstellt der Zeichner seine Comics komplett von Hand, sollte er seine Sprechblasen am besten mit Druckbuchstaben beschriften. Die Druckbuchstaben müssen zwar nicht akkurat sein, sondern können ruhig ein wenig an Schreibschrift erinnern.

Die Texte tatsächlich in Schreibschrift zu schreiben, ist aber keine so gute Idee. Denn vor allem wenn viel Text in einer Blase steht, ist die Schrift mitunter kaum zu entziffern. Zudem sollte der Zeichner immer erst den Text schreiben und danach die Sprechblase zeichnen. Beginnt er mit der Sprechblase, besteht die Gefahr, dass der Text in die Sprechblase gequetscht werden muss, damit er ganz hineinpasst.

 

  1. Die Anordnung der Sprechblasen

Die klassische Leserichtung in unseren Breitengraden ist von links nach rechts. Die Zeilen wiederum werden von oben nach unten gelesen. Diese Leserichtung sollte der Zeichner in seinen Comics unbedingt beibehalten. Und das nicht nur, was die Seiten angeht, sondern auch innerhalb einzelner Bilder. Wichtig ist die richtige Anordnung vor allem dann, wenn eine Szene zwei oder mehr Sprechblasen enthält. Sind sie falsch angeordnet, gerät die Reihenfolge durcheinander.

Für den Leser kann das ganz schön verwirrend sein. Die richtige Anordnung orientiert sich also an der üblichen Leserichtung und somit von links nach rechts und von oben nach unten. Angenommen, in einer Szene sind zwei Figuren zu sehen, die beide etwas sagen.

Spricht die links Figur zuerst, wird ihre Sprechblase etwas höher positioniert als die Sprechblase der anderen Figur. Sagt hingegen die Figur rechts im Bild zuerst etwas, wird ihre Sprechblase etwas weiter links und so angeordnet, dass sie über der Sprechblase der anderen Figur steht.

Zur Veranschaulichung hier das Ganze noch mal als Grafik:

[Grafik Comics 2]

 

  1. Die Soundwords

Um Geräusche darzustellen, kann der Zeichner mit sogenannten Soundwords arbeiten. Im Deutschen wird auch von Schallwörtern, Tonmalerei oder Lautmalerei gesprochen. Soundwords sind ein Zwischending zwischen Bild und Text. Es handelt sich also um Wörter, die als Bildelemente eingefügt werden und Geräusche wiedergeben.

Sie stehen normalerweise nicht in Sprechblasen, sondern werden in unterschiedlichen Schriften dort platziert, wo das Geräusch stattfindet. Neben der Darstellung von Geräuschen werden Soundwords außerdem verwendet, um die Spannung zu erhöhen oder Komik in eine Szene zu bringen. Beispiele für Soundwords in Comics sind:

  • RRRiiing!, wenn ein Telefon oder ein Wecker klingelt,
  • Bzzzzzzzzzzzz, wenn eine Figur schläft und schnarcht,
  • Klirr, wenn etwas zerbricht,
  • Plopp, wenn etwas geöffnet wird,
  • Platsch!, wenn etwas hinfällt oder
  • Boom!, wenn etwas knallt oder explodiert.

 

  1. Die Panels

Ein Comic besteht aus mehreren einzelnen Bildern. Da die Bilder meist eingerahmt sind, wird auch von Bildkästchen gesprochen. Der Fachbegriff wiederum lautet Panel. Ein Panel ist also ein Bild. Eine feste Form für die Panels gibt es aber nicht. Sie können also groß oder klein, rechteckig oder quadratisch, schmal oder breit sein.

Und die Panels müssen nicht alle die gleiche Form haben. So kann der Zeichner beispielsweise mehrere kleine, schmale Panels nebeneinandersetzen, wenn er die Handlung beschleunigen will. Denn je kleiner die Panels sind, desto schneller ist das Lesetempo. Andersherum kann der Zeichner durch große Panels ausdrücken, dass die Handlung langsam abläuft.

Gerade bei den ersten Comics sollte es sich der Zeichner aber nicht unnötig schwer machen. Zunächst genügt es, wenn er ein DIN A4 großes Blatt einmal waagerecht unterteilt und anschließend zwei senkrechte Linien zieht. So hat erhält er sechs Bildkästchen. Zeichnet er auf Papier im Format DIN A 3, kann er das Blatt in acht gleichgroße Kästchen aufteilen. Später, mit ein bisschen Übung, besteht immer noch die Möglichkeit, mit der Form der Panels zu spielen.

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