Zeichnungen und Skizzen im Berufsalltag, 1. Teil

Zeichnungen und Skizzen im Berufsalltag, 1. Teil

Zeichnungen und Skizzen können im Berufsalltag ein effektives Instrument sein, um ein Problem zu veranschaulichen. Besonderes Zeichentalent ist dafür nicht erforderlich. Linien und einfache Grundformen reichen völlig aus.

Es gibt Menschen, die einen Sachverhalt ohne Weiteres visualisieren können. Sie nehmen ein Blatt Papier, schnappen sich einen Stift und erstellen im Handumdrehen eine Zeichnung, mit der sie erklären können, wie etwas funktioniert, warum etwas nicht geht, wo der Fehler liegt, wie ein Problem gelöst werden könnte oder worauf besonders geachtet werden muss.

Aber es gibt mindestens genauso viele Menschen, denen es schwerfällt, ihre Gedanken bildlich auszudrücken. Irgendwann zwischen der Kindergartenzeit und dem Berufsleben haben sie das Vertrauen in ihre Fähigkeit, zu zeichnen, verloren.

Dabei erwartet im beruflichen Umfeld niemand ein eindrucksvolles Kunstwerk. Zeichnungen und Skizzen im Berufsalltag sollen lediglich dabei helfen, einen Sachverhalt zu erklären, zu verdeutlichen oder einen Zusammenhang aufzuzeigen. Und das klappt mit einem möglichst einfachen Bild am besten.

Doch wie entsteht ein solches Bild? Worauf kommt es an? Welche Darstellungsformen eignen sich für welche Sachverhalte? In einem zweiteiligen Beitrag fassen wir die wichtigsten Infos und Tipps für Skizzen im beruflichen Umfeld zusammen.

Hier ist der 1. Teil!

 

Die Bestandteile von Zeichnungen und Skizzen im Berufsalltag

Die wichtigsten Hilfsmittel, um einen Sachverhalt zu visualisieren, sind ein Stift und ein Untergrund. Bei dem Untergrund kann es sich um ein Stück Papier handeln, im Gespräch eignen sich aber auch ein Flipchart oder eine Tafel.

Die Skizze hat die Aufgabe, die eigenen Gedanken bildlich festzuhalten und so darzustellen, dass der Sachverhalt für andere verständlicher wird. Aus diesem Grund sollte die Zeichnung so einfach wie möglich sein. Es geht nicht darum, eine präzise Zeichnung anzufertigen, die das Problem detailgetreu und in allen Einzelheiten zeigt.

Das Ziel ist auch nicht, eine besonders schöne und ansprechende Zeichnung zu erstellen. Die Absicht besteht darin, den Sachverhalt auf die wesentlichen Aspekte zu reduzieren, um ihn dadurch zu veranschaulichen. Deshalb werden für die Zeichnung auch nur wenige Elemente benötigt, nämlich

  • Linien und Pfeile,
  • Grundformen wie Kreise, Vierecke und Dreiecke sowie
  • eventuell einfache Symbole wie beispielsweise Strichmännchen oder Briefumschläge.

Diese Bestandteile reichen aus, um eine Idee, ein Problem, eine Lösung, einen Ablauf oder einen anderen Sachverhalt bildlich darzustellen.

 

Der visuelle Denkprozess

Eine Skizze entsteht im Prinzip genauso wie eine Notiz oder ein Text. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass bei einem Text Buchstaben die Elemente sind, aus den Wörter und Sätze gebildet werden, um die Gedanken auszudrücken. Bei einer Skizze oder Zeichnung ersetzen Linien und Formen die Buchstaben. Der Ablauf unterscheidet sich also nicht großartig, nur dass einmal geschrieben und einmal eben gezeichnet wird. Zunächst müssen die Gedanken, die dargestellt werden sollen, aber entwickelt werden. Dieser Vorgang wird als visueller Denkprozess bezeichnet. Er umfasst vier Schritte:

  1. Das Sehen: Den Ausgangspunkt bildet ein Sachverhalt, der auffällt, weil er einer Erklärung oder einer Lösung bedarf. Bei diesem Sachverhalt kann es sich beispielsweise um einen Mangel an einem Produkt, einen Defekt an einem Gerät, einen bestimmten Arbeitsschritt im Rahmen eines Vorgangs, eine Frage von einem Mitarbeiter oder eine Beschwerde von einem Kunden handeln.
  2. Das Betrachten: Im nächsten Schritt gilt es, diesen Sachverhalt genauer unter die Lupe zu nehmen. Dafür werden verschiedene Fragen gestellt, um das Problem in seine Einzelteile zu zerlegen. Dieses Zerlegen in Einzelteile ist wichtig, um den Kern des Problems zu erkennen. Dadurch können im weiteren Verlauf dann auch die Zusammenhänge, die Ursachen und weitere entscheidende Faktoren, die den Sachverhalt beeinflussen, aufgespürt werden.
  3. Das Ausarbeiten: Sind der Sachverhalt selbst sowie die Zusammenhänge, die Ursachen und wichtige Einflussfaktoren klar, kann eine Idee entwickelt werden. Die Erklärung oder Lösung wird erarbeitet, indem die Gedanken in einem stimmigen Bild angeordnet werden. Sollte es noch Unklarheiten geben, wird der Sachverhalt an diesem Punkt erneut betrachtet.
  4. Das Zeigen: Der letzte Schritt im visuellen Denkprozess besteht darin, die entwickelte Erklärung oder Lösung zu verdeutlichen. Dazu wird das Bild, das im Zuge der Überlegungen entstanden ist, präsentiert und erläutert.
  5. Beim visuellen Denkprozess ist das Auge das maßgebliche Sinnesorgan. Aus diesem Grund sollten die Gedankengänge in allen vier Schritten möglichst in Skizzen festgehalten werden. Dadurch entsteht eine Bilderserie, die die Gedankengänge nachvollziehbar macht und im Ergebnis zur Lösung führt.

Gleichzeitig trainiert der visuelle Denkprozess die eigene Wahrnehmung und lehrt, auf Details zu achten. Dieses genaue Hinsehen lässt sich aber auch gezielt trainieren. So kann beispielsweise ein Foto genommen und genau angeschaut werden. Welche Details sieht der Betrachter? Und was fällt auf, wenn er seine Beobachtungen mit den Einzelheiten vergleicht, die ein anderer Betrachter auf demselben Foto wahrgenommen hat? Durch das eigene Betrachten und den Vergleich mit anderen Sichtweisen wird der Blick für Details zunehmend geschärft.

Welche Fragen beim Betrachten gestellt werden und welche Darstellungsformen sich eignen, um den jeweiligen Sachverhalt zu visualisieren, erklären wir im 2. Teil.

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