5 elementare Zeichentipps

5 elementare Zeichentipps

Wie überall in der Kunst gibt es auch beim Zeichnen letztlich kein richtig oder falsch. Denn jeder Zeichner zeichnet anders und jeder Zeichner hat seinen eigenen Stil. Ebenso hängt es immer vom individuellen Geschmack des Betrachters ab, ob ihm eine Zeichnung gefällt und er sie als stimmig empfindet oder ob nicht. Ein Patentrezept, wie perfekte Zeichnungen entstehen, kann es deshalb gar nicht geben.

Aber das bedeutet natürlich nicht, dass Zeichner nicht von Tipps und Ratschlägen profitieren und sich nicht den einen oder anderen Trick abschauen können. Dabei muss es dann auch gar nicht immer um Zeichentechniken gehen. Stattdessen sind es manchmal ganz banale, grundlegende Tipps, die am besten weiterhelfen.

 

Und fünf solcher elementaren Zeichentipps verrät dieser Beitrag:

 

Tipp 1: Zeichnen bedeutet sehen.

Der vielleicht wichtigste Zeichentipp überhaupt ist, dass der Zeichner erst einmal lernen muss, zu sehen. Natürlich zeichnet der Zeichner mit dem Stift, den er in seiner Hand hält und den seine Hand führt. Aber damit die Hand den Stift führen kann, muss der Zeichner wissen, wie das, was er zeichnen will, eigentlich aussieht. Möchte der Zeichner beispielsweise eine Zeichnung von einem Auto anfertigen, muss ihm klar sein, wie ein Auto aussieht.

In den meisten Fällen hat der Zeichner auch eine genaue Vorstellung von einem Auto. Allerdings weicht das, was dann auf dem Papier zu sehen ist, oft deutlich von der Vorstellung ab. Der Grund hierfür ist, dass der Zeichner zwar täglich unzählige Autos sieht, das Gehirn aber nur einen kleinen Teil der Informationen speichert. Genaugenommen sieht er die Autos deshalb nicht, sondern nimmt sie lediglich wahr.

Würde der Zeichner ein Auto genau anschauen, würden ihm die Farbe, die Form der Scheiben, die Anordnung der Lampen, die Zierleisten, die Linie des Kofferraums, die Felgen, der Bereich zwischen den Rädern und die vielen anderen Details auffallen, die genau dieses Auto ausmachen. Doch weil der Zeichner aus der Erinnerung heraus zeichnet, landet ein Sammelsurium aus irgendwelchen Informationen, die irgendwo im Gehirn abgespeichert sind, auf dem Papier.

Deshalb ist der Zeichner gut beraten, wenn er das Sehen gezielt übt. Dazu wiederum gehört, ein Objekt so anzuschauen, dass der Zeichner wirklich alle Details dieses Objekts erfasst. Das richtige und aufmerksame Sehen ist die Basis dafür, ein Objekt zu zeichnen und im Laufe der Zeit einen eigenen Zeichenstil zu entwickeln.

 

Tipp 2: Proportionen ausmessen.

Damit eine Zeichnung stimmig wirkt, müssen die Proportionen zueinander passen. Natürlich kann der Zeichner auch ganz bewusst mit den Proportionen spielen und sie so anlegen, dass sie gerade nicht der Realität entsprechen, sondern bestimmte Elemente betonen. Doch auch dann muss der Zeichner die jeweiligen Proportionen ermitteln.

Messen im Zusammenhang mit dem Zeichnen bedeutet, dass eine Größe ins Verhältnis zu anderen Größen gesetzt wird. Und als Messwerkzeug kommt der Bleistift zum Einsatz. Dabei hält der Zeichner seinen Stift gerade vor sein Gesicht, und zwar entweder senkrecht, um Längen zu ermitteln, oder waagerecht, um Breiten auszumessen.

Mit dem Daumennagel kann der Zeichner nun auf dem Stift die Größe markieren, die er benötigt. Ohne den Daumen zu bewegen, kann der Zeichner anschließend mithilfe dieser Referenzgröße auch die übrigen Größen ausmessen.

 

Tipp 3: Auf den Abstand achten.

Wenn es darum geht, ein Objekt genau zu betrachten und in allen Einzelheiten zu erfassen, ist die Versuchung groß, sich das Objekt aus nächster Nähe anzuschauen. Doch je geringer der Abstand ist, desto verwirrender sind die Informationen, die die Augen aufnehmen.

Der Zeichner kann dieses Phänomen ganz einfach testen, indem er sich einen Gegenstand ganz nah vors Gesicht hält. Wenn er sich diesen Gegenstand nun zuerst mit beiden Augen, dann nur mit dem rechten Auge und zum Schluss nur mit dem linken Auge anschaut, wird er drei unterschiedliche Bilder gesehen haben.

Beim Zeichnen ist es deshalb wichtig, genügend Abstand zum Objekt einzuhalten. Nur so können die Augen die Informationen richtig verarbeiten und der Zeichner bekommt ein zuverlässiges Bild, das er zeichnen kann.

 

Tipp 4: Übung macht den Meister.

So mancher Zeichner setzt sich selbst unter Druck. Er redet sich ein, dass er das Zeichnen nie richtig lernen oder ein bestimmtes Motiv ja doch nicht hinbekommen wird. Oder er sagt sich, dass dieser Zeichenversuch jetzt endlich gelingen muss. Motivation und ein gewisser Ansporn sind zwar positiv. Doch wenn der Leistungs-, Zeit- oder Perfektionsdruck zu groß ist, bremst sich der Zeichner selbst aus.

Statt frei zu zeichnen, ist er so angespannt, dass die Zeichnung kaum gelingen kann. Dabei ist Übung der Schlüssel zum Erfolg. Kein großer Zeichner, Grafiker, Maler oder anderer Künstler ist als Genie auf die Welt gekommen. Stattdessen hat er geübt, immer wieder neu probiert, herumexperimentiert, an seiner Technik gefeilt und an seinem Stil gearbeitet.

Das Üben wiederum erfordert Zeit und Geduld. Gleichzeitig werden unzählige Skizzen und Zeichnungen entstehen, die letztlich im Papierkorb landen. Das ist aber völlig normal und gehört zum Lernprozess dazu. Und es ist genauso okay, wenn der Zeichner Papier und Stift mal liegen lässt, weil er eben keine Lust zum Zeichnen hat. Das Zeichnen muss ein kreativer Vorgang bleiben, der Spaß macht.

 

Tipp 5: Das Zeichnen bleibt ein Lernprozess.

Hat sich der Zeichner bestimmte Zeichentechniken angeeignet, seine Mappe mit gelungenen Skizzen und Zeichnungen gefüllt und ordentlich Zeichenerfahrung gesammelt, kann er zu Recht stolz auf seine Arbeiten sein. Aber der Zeichner sollte nie den Fehler machen, zu glauben, dass er damit am Ziel ist.

Das Zeichnen ist und bleibt ein Lernprozess. Wenn der Zeichner einigermaßen zeichnen kann, entwickelt er auf dieser Grundlage allmählich seinen eigenen Zeichenstil. Dieser Zeichenstil verändert sich aber und entwickelt sich kontinuierlich weiter. Gleichzeitig wird der Zeichner immer wieder mit neuen Techniken und frischen Ideen experimentieren. Ausgelernt hat ein Zeichner also nie.

 

Kurze Anleitung für ganz simple Gesichter

Vor allem die ersten Schritte sind immer die schwersten. Und so mancher behauptet von sich selbst, dass er einfach kein Talent fürs Zeichnen hat. Viel mehr als ein Mondgesicht nach dem Motto „Punkt, Punkt, Komma, Strich – fertig ist das Mondgesicht“ bringe er nicht zustande.

Dabei reicht ein einfaches Mondgesicht für den Einstieg schon völlig aus. Auf dieser Grundlage lassen sich nämlich herrliche, comicartige Gesichter entwerfen.

Und das geht so:

[Grafik Gesichter]

gesichter

  • Gesicht: Als erstes wird ein Kreis gezeichnet. Dieser Kreis muss nicht perfekt sein, er darf ruhig ungleichmäßig ausfallen und Kanten haben.
  • Hilfslinien: Als Hilfslinien kommen eine senkrechte und eine waagerechte Mittellinie zum Einsatz. Diese Hilfslinien, die den Kreis in vier Abschnitte aufteilen, kann sich der Zeichner nur denken. Genauso kann er sie aber natürlich auch dünn einzeichnen.
  • Augen: Nun muss der Zeichner entscheiden, ob seine Figur ein Erwachsener oder ein Kind werden soll. Möchte der Zeichner ein Kindergesicht zeichnen, setzt er als Augen zwei Punkte unterhalb der waagerechten Mittellinie. Bei einem Erwachsenengesicht zeichnet er die Punkte in der oberen Kreishälfte ein.
  • Nase: Mittig unter den Augen setzt der Zeichner die Nase. Hierfür kann er eine Art C oder ein Komma zeichnen. Beim Kind ist die Nase kleiner, beim Erwachsenen entsprechend größer.
  • Mund: Als Mund zeichnet der Zeichner einen Strich unter die Nase. Je nach Stimmung seiner Figur verläuft dieser Strich mehr oder weniger gebogen.
  • Ohren: Ungefähr auf Augenhöhe werden die Ohren eingezeichnet. Als Ohren setzt der Zeichner Kreise mit einem C in der Mitte ans Gesicht.
  • Haare: Zwei kleine Striche über den Augen ergeben die Augenbrauen. In die Partie zwischen den Ohren wird nun noch die Frisur eingezeichnet. Fertig!

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