Die Geschichte der Zeichnung von den Anfängen bis zur Moderne

Im Unterschied zur Malerei, die ein Bildmotiv mithilfe von Farben und Tonwerten darstellt, bildet die Zeichnung ein Bildmotiv mittels Linien und Strichen ab. Teilweise ist eine Zeichnung dabei recht einfach gehalten und beschränkt sich auf die Darstellung der wesentlichen Bildelemente.

Teilweise werden bei einer Zeichnung aber auch feine Details präzise ausgearbeitet. Einige Zeichnungen dienen als schnelle Skizzen, Entwürfe oder Vorlagen für ein Bild. Andere Zeichnungen bilden das eigentliche Kunstwerk. Doch gerade die Zeichnung als eigenständiges Kunstwerk ist vergleichsweise jung.

Grund genug, sich einmal näher mit der Geschichte der Zeichnung von den Anfängen bis zur Moderne zu beschäftigen:  

Die Anfänge der Zeichnung

Die Zeichnung an sich ist schon so alt wie die menschliche Kulturgeschichte. Die ältesten Zeichnungen werden auf die Zeit um 20.000 vor Christus datiert. Bei diesen Zeichnungen handelt es sich um Felszeichnungen, die hauptsächlich Szenen aus kriegerischen Auseinandersetzungen und von der Jagd sowie verschiedene Symbole zeigen.

Die Forscher vermuten, dass die Zeichnungen aus religiösen, rituellen oder mystischen Gründen entstanden sind und bestimmte Ereignisse wie eine kriegerische Auseinandersetzung positiv beeinflussen sollten. Die Motive wurden in den Felsen eingeritzt oder mit Holzkohle und Natur- oder Pflanzenfarben gezeichnet. Generell sind bei allen Hochkulturen der Antike Zeichnungen, die aus Linien und Strichen aufgebaut sind, zu finden.

Ein Großteil dieser Zeichnungen stellt bestimmte Zeichen oder Symbole dar und hängt vermutlich mit der Entwicklung der Schrift zusammen. Ein bedeutsamer Meilenstein in der Geschichte der Zeichnung ist das Fresko, das in Ägypten ab ungefähr 3.000 vor Christus und später auch im Römischen Reich auftritt. Beim Fresko handelt es sich um eine kunstvolle und dekorative Wandmalerei. Die Skizzen und Vorzeichnungen für zahlreiche Fresken sind in Form von Tonscherben überliefert. Im letzten Jahrtausend vor Christus entwickelten sich Vasen und andere Gefäße aus Ton zu wichtigen Trägern von Zeichnungen.

Zunächst wurden die Zeichnungen dabei in den Ton eingeritzt, später wurden die Motive auf weiß grundierte Gefäße aufgezeichnet. Schriftliche Überlieferungen belegen, dass ab 500 vor Christus auch grundierte Hölzer und Pergament als Zeichengründe dienten. Kunstwerke aus dieser Zeit sind jedoch nicht mehr vorhanden. 

Die Zeichnung im Mittelalter

Im Mittelalter werden nicht nur in der Bildenden Kunst und der Architektur Entwürfe gezeichnet, sondern vor allem in der Buchmalerei übernimmt die Zeichnung eine bedeutsame Rolle. Miniatur- und Marginalzeichnungen, die kostbare Handschriften ergänzen, entwickeln sich zum wichtigsten Ausdrucksmittel der Zeichenkunst.

Dabei entstehen die mittelalterlichen Buchillustrationen meist in zwei Schritten. Zunächst gestaltet nämlich ein Zeichner das Motiv und im zweiten Schritt koloriert dann ein Maler die Zeichnung. Trotz der kunstvollen und teils sehr aufwändigen Werke blieb die Zeichnung aber zweckgebunden. Sie wurde also nicht als eigenständiges Kunstwerk gesehen, sondern war lediglich schmückendes Beiwerk.

Die Kenntnisse und Möglichkeiten der Papierherstellung entwickelten sich kontinuierlich weiter und so konnte ab dem 14. Jahrhundert das sehr teure Pergament zunehmend durch Papier ersetzt werden. Damit hielten Übungszeichnungen, Skizzen und Studien Einzug in den Kunstunterricht. An den Malschulen Europas etablierten sich Skizzenbücher, die Zeichnungen und Entwürfe nach den Regeln des Meisters enthielten und den Schülern als Vorlagen dienten.  

Die Zeichnung in der Neuzeit

Ab dem 15. Jahrhundert entwickelt sich die Zeichnung allmählich zu einem eigenständigen Ausdrucksmittel. In der Kunst und teils auch in anderen Bereichen findet eine Rückbesinnung statt und die Werke der Antike werden zum ästhetischen Ideal erhoben. Die Versuche, Motive möglichst realistisch und detailgetreu darzustellen, begünstigen schließlich die Entwicklung der Zentralperspektive.

Damit ist eine neue Ära in der Geschichte der Zeichnung eingeläutet. Die Zeichnung ist fortan nicht nur das wichtigste Medium für Entwürfe und Studien, sondern wird zum beliebten Sammlerobjekt. Die Zeichnungen entstehen auf Papier und in den Skizzenbüchern, als Zeichenwerkzeuge werden Silberstift, Kohle, Rötel, Kreise, Pinsel sowie Feder und Tinte verwendet.

Stilistisch entwickeln sich die Zeichnungen jedoch in verschiedene Richtungen. So orientieren sich die Zeichnungen im Norden Europas vor allem an Stichen und Drucken, während der Zeichenstil im Süden Europas von der Malerei geprägt ist. Im 18. Jahrhundert verhilft das Aufkommen von Buntkreiden und Pastellfarben der Zeichnung zu einem weiteren Entwicklungsschub. Die Lieblingsmotive der damaligen Zeichner sind Portraits und Landschaften. Gleichzeitig fließen immer mehr gestalterische Mittel in die Zeichnung ein. 

Die Zeichnung in der Moderne

Die Zeichnung der Moderne lebt von der Vielzahl der zeichnerischen Mittel, auf die sie zurückgreifen kann. Seit Ende des 19. Jahrhunderts verschwimmen zudem die Grenzen zwischen der Zeichnung und der Malerei. So kann ein gemaltes Bild komplett aus Linien aufgebaut sein, während andersherum eine Zeichnung mit Farben arbeiten oder klare Linien verwischen, verreiben, verzerren oder als ausdrucksstarke Striche in den Vordergrund stellen kann.

Die klassischen Kriterien helfen bei der Entscheidung, ob es sich bei einem Werk um eine Zeichnung oder eine Malerei handelt, nicht mehr unbedingt weiter. Die verschiedenen Kunstbewegungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert verfolgen aber genau dieses Ziel. Eine ihrer großen Absichten besteht nämlich darin, die akademischen Formregeln aufzuheben oder zumindest deutlich zu lockern. Viele namhafte Künstler entdecken die Zeichnung für sich und erheben sie endgültig zur Kunstform. Trotzdem wird in der Moderne von einer Krise der Zeichnung gesprochen, eben weil sich die zeichnerischen Mittel nicht eindeutig bestimmen und zuordnen lassen.

Deshalb legt die ästhetische Hochkultur den Fokus nach wie vor auf die Malerei, die Skulptur und die Architektur. Die Zeichnung hingegen gewinnt als eigenständige Kunstform hauptsächlich in der Populärkultur an Bedeutung, unter anderem in Form von Comics, Cartoons und Karikaturen.

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Thema: Die Geschichte der Zeichnung von den Anfängen bis zur Moderne

Redakteure

Thorsten Laumann, 42 Jahre, technischer Zeichner, Marie Koschinski, 34 Jahre, Grafikdesignerin, David Naue, 37 Jahre, Mediengestalter und privater Comic-Zeichner schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Anleitungen zum Thema Zeichnen, Malerei, Kunst und Print.

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