Einige der bedeutendsten Plattencover-Künstler

Einige der bedeutendsten Plattencover-Künstler

Als ab 1940 Tonträger nicht mehr nur in einer neutralen Hülle verkauft wurden, sondern ihr individuelles Cover erhielten, entwickelte sich allmählich auch eine eigene Sparte von Künstlern.

Einige der bedeutendsten Plattencover-Künstler

Zwar gibt es durchaus Bands, die sich selbst um die Gestaltung ihres Plattencovers kümmern, viele überlassen die Arbeit jedoch Profis, die sich auf diese Kunstform spezialisiert haben.

Erstaunlich dabei ist, dass es sich ausnahmslos um männliche Künstler handelt und dass die kunstvollen Plattencover überwiegend im Rock-Bereich angesiedelt sind. Vermutlich möchten die Fans in anderen Musikgenres, etwa der Pop- oder der Volksmusik, aber auch lieber ein Foto des Künstlers auf dem Cover sehen als Kunst.

Dennoch und auch obwohl in Zeiten des digitalen Musikkonsums Plattencover zunehmend an Bedeutung verlieren, gibt es Kunstwerke, die die Musikkultur nachhaltig beeinflusst haben.

Die folgende Übersicht stellt nun einige der bedeutendsten Plattencover-Künstler vor, und da Kunst bekanntlich Geschmacksache ist, erfolgt die Anordnung in alphabetischer Reihenfolge:  

Roger Dean

Der britische Künstler entwarf seine ersten Werke, nachdem er 1968 das Londoner Royal College of Art erfolgreich abgeschlossen hatte. Sein Bestreben bestand im Wesentlichen darin, reale Dinge mit Phantasiegebilden zu vereinen.

Das Augenmerk lag dabei hauptsächlich auf Landschaften und im Ergebnis entstanden mitunter sehr skurrile Landschaftsbilder, die bis heute sein Hauptmotiv geblieben sind.

Sein erstes Plattencover entwarf der Künstler für die britische Rockband The Gun, danach folgte ein Cover für die Band Atomic Rooster.

Die langjährige Zusammenarbeit mit der Band Yes begann 1972 und für diese Band kreierte Roger Dean nicht nur mehrere Plattencover, sondern entwarf auch deren markanten Schriftzug.

Daneben entwarf der Künstler Plattencover von Bands wie Asia und Uriah Heep. Roger Dean selbst betont übrigens immer wieder, dass seine Werke Landschaften zeigen und nicht in das Genre Fantasy gehören.    

Hipgnosis

Hinter diesem Fantasiewort verbirgt sich eine Gruppe britischer Künstler, die 1968 von den Kunststudenten Aubrey Powell und Storm Thorgersen gegründet wurde. Als ersten Auftrag entwarfen sie das Cover des Pink Floyd-Albums „A Saucerful Of Secrets“, Folgeaufträge waren Cover von Bands wie The Pretty Things oder Free.

Den großen Durchbruch schafften die Künstler, als sie 1973 mit dem Cover für „The Darkside Of The Moon“ ein weiteres Mal für Pink Floyd tätig wurden.

In der Folge beauftragten zahlreiche Stars die Designer mit dem Entwurf ihres Plattencovers, darunter unter anderem Black Sabbath, Peter Gabriel, Led Zeppelin und die Scorpions.

Typisch für die Arbeiten der Künstlergruppe war, ein Foto als Grundlage zu verwenden und dieses durch das Spiel mit Farben zu bearbeiten.

Dadurch entstanden sehr unterschiedliche Bilder, die teils fremd und mitunter auch bedrohlich wirkten. 1983 löste sich die Gruppierung, der immer wieder verschiedene Künstler angehörten, auf.

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Ingo Römling

Der Frankfurter, der Kommunikationsdesign studiert, das Studium aber nicht abgeschlossen hat, trat zunächst unter dem Pseudonym Monozelle als Comic-Zeichner in Erscheinung. Für seine Comics erhielt er Auszeichnungen in München und New York.

Daneben entwarf er zahlreiche Plattencover für Bands wie beispielsweise ASP, Apocalyptica, Leave‘s Eyes, Letzte Instanz oder Project Pitchfork. Charakteristisch für seine Arbeiten ist die Mischung aus digital bearbeiteten Bildern und Comic-Elementen.

Im Buchformat erinnern die Alben und Sammelboxen mitunter an echte Kunstbände. Neben Plattencovern gestaltet der Hesse aber auch Firmenlogos, Flyer, Plakate und zeichnet regelmäßig für die Online-Ausgabe eines großen deutschen Nachrichtenmagazins.

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Brian Schroeder

Dem US-amerikanischen Designer gelang Ende der 1980er-Jahre unter seinem Pseudonym Pushead der weltweite Durchbruch. Seinerzeit suchte die Band Metallica nach einem Künstler, der ihrem Video „2 Of One“ die richtige Optik verleiht.

Der Künstler bot der Band daraufhin sein Hauptmotiv an, einen Totenschädel in einem Ganzkörperverband.

Metallica entschied sich für dieses Motiv, ließ es unzählige Male auf T-Shirts drucken und verhalf dem Künstler, der bis dahin in erster Linie Skateboards veredelt hatte, zu weltweiter Berühmtheit.

Später folgten unter anderem Zusammenarbeiten mit der HipHop-Größe Dr. Dre, der Punkband Misfits, dem Rapper Kool Keith und Travis Barker von Blink 182.

Mit dem Cover zu „St. Anger“ wurde Pushead 2001 ein weiteres Mal für Metallica tätig. Vier Jahre später wurde ihm außerdem die Ehre zuteil, einen Skate-Schuh eines großen Sportartikelherstellers zu verschönern.

Daniel Seagrave

Der britische Künstler, der heute in Kanada lebt, begann zu zeichnen, als er gerade einmal fünf Jahre alt war. Seinen einzigartigen Zeichenstil brachte sich der Künstler, dessen Berufswunsch eigentlich Architekt war, selbst bei.

Zwischen 1989 und 1994 war es Seagrave, der das Gesicht des sich neu entwickelnden Musikgenre des Death Metal prägte.

Obwohl der Künstler gar nicht nur auf Death und Heavy Metal fokussiert ist, sondern allen Musikrichtungen offen begegnet, stammen unzählige Plattencover von Metal-Klassikern aus seiner Zeichenfeder.

Neben Plattencovern entwirft der Künstler aber unter anderem auch Poster und arbeitet an einem eigenen Science Fiction-Zyklus.   

Alexander Steinweiss

Wenn eine Liste mit bedeutenden Plattencover-Künstlern erstellt wird, darf dieser Grafikdesigner natürlich nicht fehlen. Schließlich war es Alexander Steinweiss, der 1940 das erste Plattencover überhaupt entwarf.

Im Laufe seiner 33-jährigen Karriere soll der Künstler nach seiner eigenen Einschätzung rund 1.000 Plattencover kreiert haben, andere Quellen gehen von gut 2.500 Covern aus.

Zunächst war der Grafikdesigner bei der Plattenfirma Columbia tätig, sein und das erste individuelle Cover erhielt die Schellackplatte „Smash Song Hits“ von Richard Rogers und Lorenz Hart.

In den fünf darauffolgenden Jahren entwarf Steinweiss die Cover von allen Alben, die bei der Plattenfirma erschienen. Ab 1950 war der Künstler dann auch als freier Mitarbeiter für andere Plattenlabels und mehrere Magazine tätig, zudem entwarf er Etiketten für Spirituosen und Buchcover.

1973 beendete er seine offizielle Tätigkeit in der Musikbranche, gestaltete aber später gelegentlich noch Plattencover für besondere Alben. 2011 verstarb der Künstler, er wurde 94 Jahre alt.

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Ergänzende Plattencover-Künstler 

Andy Warhol

Der US-Pop-Art-Künstler prägte die Verbindung von Bildender Kunst und Popmusik. Berühmt: die Banane auf The Velvet Underground & Nico (1967) und der Reißverschluss auf Sticky Fingers (1971) der Rolling Stones.

Warhols Ansatz: ikonische, einfache Leitmotive, die sich in die Popkultur brennen. Frage dich: Warum wirken minimalistische Symbole oft stärker als komplexe Illustrationen?

Peter Blake & Jann Haworth

Das Duo konzipierte das collagenhafte Gruppenporträt von Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967). Die Montage aus Figuren, Pop-Ikonen und Requisiten setzte neue Maßstäbe für konzeptuelle Cover – Album als Ausstellungsraum.

Peter Saville

Als Haus-Designer von Factory Records definierte Saville das visuelle Vokabular von Joy Division und New Order – wissenschaftliche Diagramme, Modernismus, Zurückhaltung. Unknown Pleasures (1979) ist das Paradebeispiel: Wellenform-Grafik als Emblem der Post-Punk-Ästhetik.

Savilles Stärke: kühle Semantik + präzise Typografie.

Vaughan Oliver (mit V23/4AD)

Für 4AD (Cocteau Twins, Pixies) schuf Oliver traumwandlerische, texturreiche Bildwelten.

Seine Cover funktionieren wie Stimmungen: diffus, poetisch, haptisch gedacht. Im 4AD-Kosmos wurde die Label-Ästhetik zur Markenerzählung – erkennbar über Kataloge hinweg.

Reid Miles (Blue Note Records)

Der Grafiker prägte in den 1950/60ern das Blue-Note-Design: fette Grotesk-Typo, Duotone-Fotografie (u. a. Francis Wolff), rigorose Raster.

Ergebnis: Ein Corporate Design für Jazz, das heute noch frisch wirkt – und zeigt, wie Typografie allein eine starke visuelle Identität tragen kann.

Barbara Wojirsch (ECM Records) – weibliche Perspektive

Als prägende Designerin von ECM (ab 1970er) entwickelte sie eine minimalistische, luftige Bildsprache zwischen Fotografie, Zeichnung und Typo. ECM-Cover kommunizieren Raum, Stille, Klangfarbe – ein Gegenpol zu Rock-Opulenz.

Damit ist die These „ausschließlich männlich“ faktisch widerlegt – und die Genrebreite erweitert (Jazz/zeitgenössische Musik).

Paula Scher – weibliche Perspektive

Bevor sie als Partnerin bei Pentagram weltbekannt wurde, entwarf Scher in den 1970/80ern zahlreiche Schallplatten-Cover in den Art-Departments großer Labels.

Ihr Stil: energiegeladene Typografie, ikonische Layouts, oft konzeptuell pointiert. Wichtig als Beispiel für Frauen in führenden Designrollen der Musikindustrie.

Jamie Reid

Mit seiner Dada-haften Ransom-Typo und aggressiven Collagen schuf Reid die visuelle Sprache des Punk (Sex Pistols).

Seine Cover zeigen, wie Grafik als Protest funktioniert – roh, politisch, kulturell disruptiv.

Klaus Voormann

Der deutsch-britische Illustrator gestaltete das Line-Art-Meisterwerk zu den Beatles’ Revolver (1966). Der Mix aus Strichzeichnung und Fotocollage wirkt bis heute modern – ein Beispiel für zeichnerische Präzision jenseits der Fantasy-Landschaften.

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Einige der bedeutendsten Plattencover-Künstler (3)

Wie entstehen ikonische Cover? (Prozess & Technik auf den Punkt)

  • Art Direction zuerst: Idee, Erzählkern, Marken-/Band-Identität.
  • Werkzeugmix: Illustration (Dean, Seagrave), Fotografie (Hipgnosis-Setups), Collage (Reid), Typo-Design (Miles, Saville).
  • Produktion: Formatabhängige Entscheidungen (12-inch-Bühne vs. Thumbnail-Tauglichkeit), Farbräume, Rasterung, Papier – alles beeinflusst die Wirkung.
  • Label-Systeme: Wiedererkennbarkeit über Kataloge – Design als kuratorische Klammer (Blue Note, ECM, 4AD, Factory).

Mehr Cover:

Heute: Vom Plattenladen zur Thumbnail-Welt – und wieder zurück

  • Digital schrumpft Fläche → ikonische, starke Formen gewinnen.
  • Vinyl-Comeback & Special Editions → Cover als Sammel- und Bühnenobjekt (Gatefolds, Art-Prints, Booklets).
  • Kollaborationen zwischen Musiker:innen, Fine-Art-Künstlern und Modemarken halten das Medium kulturell relevant.

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Thorsten Laumann - technischer Zeichner, Marie Koschinski, - Grafikdesign, David Naue, -Mediengestalter und privater Comic-Zeichner, Ferya Gülcan, Künstler Koozal Galerie ,Redakteurin und Betreiberin dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Anleitungen zum Thema Zeichnen, Malerei, Kunst und Print.

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