2 Techniken zum Schattieren mit Bleistift

2 Techniken zum Schattieren mit Bleistift

Wer sich mit dem Zeichnen befasst, stellt ziemlich schnell fest, dass das Schattieren bei Bleistiftzeichnungen eine große Rolle spielt. Das liegt daran, dass mit dem Bleistift Schwarz-Weiß-Bilder entstehen. Fehlt die Farbe in einem Bild, nimmt das menschliche Auge in erster Linie den Wechsel aus Hell und Dunkel wahr. Für die Wirkung einer Zeichnung sind also die Lichter und die Schatten entscheidend. Fotorealistische Zeichnungen bestehen oft sogar komplett aus schattierten Flächen und verzichten auf Umrisslinien.

2 Techniken zum Schattieren mit Bleistift

Allerdings fällt es vielen Anfängern nicht ganz leicht, richtig zu schattieren. Damit es künftig besser klappt, erklären wir zwei grundlegende Techniken zum Schattieren mit Bleistift:

Technik 1: Schummern und Verblenden

Die erste Grundtechnik, das Schummern und Verblenden, ist für Anfänger oft etwas einfacher. Und auch Künstler bevorzugen häufig diese Technik, weil sie intuitiver umgesetzt werden kann.

Schummern bedeutet, dass der Bleistift leicht schräg auf das Papier aufgesetzt wird. So entsteht eine Fläche, die eine ideale Grundlage für Schattierungen bildet. Dabei erhält die Schattierung allein schon durch die Auswahl des Härtegrads vom Bleistift und unterschiedlich starken Druck beim Schummern eine gewisse Tiefe.

Das anschließende Verblenden lässt sehr weiche Schatten entstehen, die realistisch wirken. Verblenden heißt, dass die Fläche verwischt wird. Dafür kann der Zeichner verschiedene Werkzeuge benutzen.

Die Materialien

Für das Schummern und Verblenden braucht der Zeichner Zeichenpapier, Bleistifte in mehreren Härtegraden, einen Radiergummi oder Radierstift und Werkzeuge zum Verwischen.

Was die Bleistifte angeht, so sind Stifte in vier Härtegraden optimal, nämlich:

  • ein extrem weicher Bleistift, z.B. 9B

  • ein sehr weicher Bleistift, z.B. 5B

  • ein weicher Bleistift, z.B. 2B

  • ein mittelharter Bleistift (HB)

Zum Verwischen kann der Zeichner zu einem Papierwischer und einem weichen Pinsel greifen. Hat er keinen Papierwischer zur Hand, erzielt ein Wattestäbchen oder ein zusammengeknülltes Papiertaschentuch ähnlich gute Effekte.

Im Prinzip kann der Zeichner sogar seinen Finger nehmen, um die Fläche zu verwischen. Allerdings bringt er dadurch Hautfett auf das Papier. Aus diesem Grund sollte der Finger nur die Notlösung sein.

Die Vorgehensweise

Beim Schummern und Verblenden baut sich die Schattierung aus mehreren Schichten auf. Der Zeichner setzt seinen Bleistift in einem Bereich an, den er schattieren will, und führt ihn sanft über das Papier. Dann verblendet er die Fläche. Danach zeichnet er den nächsten Schatten auf diese Fläche und verblendet erneut. Durch die übereinander gestapelten Flächen erhält der Schatten seine Tiefe.

Damit die Zeichnung nicht zu weich wirkt, sondern eine gewisse Struktur bekommt, schattiert der Zeichner zum Schluss einige Flächen noch einmal, verwischt diese aber nicht mehr.

Grundsätzlich bleibt es dem Geschmack des Zeichners überlassen, ob er mit den dunklen oder den helleren Bereichen beginnt. Oft ist es aber etwas einfacher, von dunkel nach hell zu arbeiten. Die einzelnen Schritte sind in diesem Fall so:

  • Der Zeichner beginnt mit den dunkelsten Schatten. Dazu nimmt er den extrem weichen Bleistift und führt ihn leicht abgeschrägt und sachte über das Papier. Der Zeichner zeichnet nicht mit der Spitze, sondern eher mit der breiteren Seite der Bleistiftspitze. Auf diese Weise setzt er parallele Linien nebeneinander. Ist der jeweilige Bereich ausgefüllt, verwischt der Zeichner die Linien mit dem Papierwischer.

  • Anschließend ergänzt der Zeichner die mittel dunklen Schatten. Dazu verwendet er den sehr weichen Bleistift und den Papierwischer.

  • Nun kommen die helleren Bereiche dazu. Diese gestaltet der Zeichner mit dem weichen und dem mittelharten Bleistift. Zum Verblenden nutzt der Zeichner nicht mehr den Papierwischer, sondern einen weichen Pinsel.

Damit ist die erste Runde geschafft. Meistens werden die Schatten nun aber ziemlich eintönig aussehen. Das liegt daran, dass die deutlichen Kontraste fehlen. Aus diesem Grund arbeitet der Zeichner die Lichter und Schatten stärker aus.

Dabei verwendet er für die dunklen Bereiche den extrem weichen Bleistift und für die Lichter den Radierer. Die Verblendungen erfolgen nur noch stellenweise mit dem Pinsel. So erhält die Schattierung auch gleich eine strukturierte Oberfläche.

Sollten die Lichter danach zu hell erscheinen, kann sie der Zeichner mit dem mittelharten Bleistift oder dem Papierwischer etwas anpassen. Fertig!

Technik 2: Schraffieren

Vor allem das Verblenden wird immer wieder kritisiert. Einige sind der Ansicht, dass die Linien in einer echten Zeichnung erhalten bleiben müssen und gerade nicht verwischt werden sollen. Wir würden das so nicht unbedingt unterschreiben. Denn ob das Verblenden die richtige Wahl ist oder nicht, kommt am Ende immer auch auf das Motiv und die gewünschte Bildwirkung an.

Jedenfalls gibt es eine Zeichentechnik, mit der der Zeichner schattieren kann, ohne zu verblenden. Diese Technik ist das Schraffieren.

Der Effekt beim Schraffieren ergibt sich aus der Art der Schraffur. Der Zeichner kann sehr viele, ganz feine oder wenige dicke Linien nebeneinander setzen. Er kann die Linien gerade oder gebogen ziehen, parallel oder überkreuzt anordnen, aber auch kleine Kringel oder andere Formen zeichnen. Je nachdem, welche Variante der Zeichner wählt, sieht die schraffierte Fläche ganz anders aus.

Verglichen mit verblendeten Schattierungen, erscheinen schraffierte Schatten oft härter, unruhiger und nicht ganz so realistisch. Dafür können sie plastisch wirken und eine ausgesprochen künstlerische Note haben. Auch bei Skizzen sind Schraffuren meist die bevorzugte Technik.

Die Materialien

Für Schraffuren braucht der Zeichner neben seinem Papier nur Bleistifte in verschiedenen Härtegraden. Anders als beim Verblenden fällt der Härtegrad des Bleistifts beim Schraffuren zwar nicht so sehr ins Gewicht. Trotzdem ist es hilfreich, wenn der Zeichner auf zwei unterschiedlich weiche und einen mittelharten Bleistift zurückgreifen kann.

Wichtig ist, dass die Bleistifte gut gespitzt sind. Denn je besser sie angespitzt sind, desto feinere Schraffuren kann der Zeichner gestalten.

Die Vorgehensweise

Eine Schraffur beginnt meist mit Linien, die parallel nebeneinander verlaufen. Um einen Schatten dunkler erscheinen zu lassen, kann der Zeichner zusätzliche Linien zwischen die parallelen Striche setzen und weitere Linien über Kreuz darüberlegen. Für recht realistische Schatten kann der Zeichner seine Linien sehr ordentlich, fein und immer in die gleiche Richtung ziehen. Möglich ist aber auch, aus dem Gefühl heraus und eher wild zu schraffieren.

Wichtig ist, dass sich der Zeichner Zeit lässt. Schraffieren ist kein schnelles Kritzeln. Stattdessen sollte der Zeichner jede Linie ruhig, langsam und durchdacht platzieren. Nur so erhält er ein ansprechendes Ergebnis.

Für schraffierte Schattierungen kann der Zeichner wie folgt vorgehen:

  • Zuerst schraffiert der Zeichner die dunklen Bereiche seines Motivs. Dazu verwendet er einen weichen Bleistift, z.B. mit dem Härtegrad 2B. Hat das Motiv Rundungen, sollte er diesen mit gebogenen Linien folgen. Dadurch wirkt der Schatten plastischer.

  • Als nächstes kümmert sich der Zeichner um die mittel dunklen Bereiche. Dabei nutzt er den gleichen Bleistift wie eben, setzt die Linien aber weiter auseinander.

  • Mit einem mittelharten Bleistift platziert der Zeichner anschließend feine, dünne Schraffuren in den hellen Bereichen.

Auch bei Schraffuren heben sich die Schatten oft nicht klar genug voneinander ab. Deshalb kann der Zeichner mit einem weichen Bleistift (z.B. 4B) Kreuzschraffuren in die dunkelsten Bereiche setzen. Die übrigen Schattierungen kann er mit den anderen Bleistiften noch etwas verfeinern oder mit dem Radierer wieder aufhellen.

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Thorsten Laumann, 42 Jahre, technischer Zeichner, Marie Koschinski, 34 Jahre, Grafikdesignerin, David Naue, 37 Jahre, Mediengestalter und privater Comic-Zeichner, sowie Ferya Gülcan, Redakteurin und Betreiberin dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Anleitungen zum Thema Zeichnen, Malerei, Kunst und Print.

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