5 Fragen zu Urban Sketching

5 Fragen zu Urban Sketching

Im Zusammenhang mit dem Urban Sketching von einem Trend zu sprechen, ist eigentlich nicht ganz richtig. Denn Urban Sketching als Bewegung gibt es schon seit 2008. Und der Begriff beschreibt etwas, was Künstler schon seit jeher tun. Nämlich verschiedene Städte zeichnen. In diesem Beitrag schauen wir uns anhand von fünf Fragen einmal näher an, was es mit dem Urban Sketching auf sich hat!

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5 Fragen zu Urban Sketching

  1. Was genau ist Urban Sketching?

Zunächst einmal ist Urban Sketching einfach nur ein moderner Name für das Zeichnen von Stadtansichten direkt am Ort des Geschehens. Der Zeichner befindet sich also in irgendeiner Stadt und zeichnet das Bild, das er vor sich sieht. Das ist nicht unbedingt neu. Auch vor Jahrhunderten schon zog es Künstler zum Malen und Zeichnen ins Freie.

Aus dieser Idee hat sich aber eine Bewegung entwickelt, der sich inzwischen Zeichner auf der ganzen Welt angeschlossen haben. Dabei verfolgt die Kunstform bestimmte Ziele. Aus diesem Grund gibt es ein paar Regeln, die die Zeichner einhalten. Zu den Regeln kommen wir gleich noch.

Ein sehr wichtiger Punkt ist, dass die Zeichnungen immer und ausnahmslos direkt vor Ort entstehen. Fotos abzuzeichnen, ist beim Urban Sketching also tabu. Dadurch wird das städtische Zeichnen einerseits zu einer sehr guten Zeichenübung, die mittlerweile auch an Kunsthochschulen praktiziert wird.

Andererseits kann das Urban Sketching dazu beitragen, mehr Kunst in den eigenen Alltag zu integrieren.

Übrigens ist das Urban Sketching keineswegs nur erfahrenen oder gar professionellen Künstlern vorbehalten. Ganz im Gegenteil werden auch Anfänger ausdrücklich dazu ermuntert, Zeichnungen zu erstellen und in den sozialen Medien zu teilen.

  1. Wie ist die Bewegung entstanden?

Gründer der Bewegung ist der Journalist und Illustrator Gabriel Campanario. Als Urban Sketcher arbeitet er für die „Seattle Times“. Im Laufe der Zeit nahmen sich immer mehr Menschen seine gezeichneten Stadtansichten zum Vorbild und erstellten selbst eigene Zeichnungen. Daraufhin gründete Campanario im Jahr 2008 die Bewegung.

Heute ist das Urban Sketching eine internationale Bewegung, die auf der gleichnamigen Webseite zusammenläuft. Selbstverständlich kann jeder Zeichner für sich selbst Stadtansichten anfertigen.

Doch er kann auch an Treffen teilnehmen und gemeinsam mit Gleichgesinnten zeichnen. Solche Treffen finden mittlerweile in vielen Städten statt. Dabei gehört es zum Selbstverständnis der Bewegung, dass alle Künstler unabhängig von ihrem Kenntnisstand und ihrem Stil herzlich willkommen sind.

  1. Welche Regeln gelten beim Urban Sketching?

Der grundlegende Ansatz und das wesentliche Ziel von Urban Sketching ist, die Lebenswelt des Zeichners so authentisch wie möglich zu zeigen. Wer sich der Bewegung anschließt, soll deshalb gewisse Regeln einhalten. Diese Regeln sind im sogenannten Urban Sketchers Manifest aufgelistet. Wir erklären kurz, wie die Punkte lauten und was damit gemeint ist.

„Wir zeichnen vor Ort, drinnen oder draußen, nach direkter Beobachtung.“

Der Künstler soll keine Fotos oder Bilder abzeichnen. Stattdessen soll er exakt die Szene skizzieren, die er in dem Moment tatsächlich vor sich sieht. Dazu gehört auch, nichts wegzulassen und nichts hinzuzufügen.

„Unsere Zeichnungen erzählen die Geschichte unserer Umgebung, der Orte, an denen wir leben oder zu denen wir reisen.“

Beim Urban Sketching geht es nicht um das Besondere, sondern um das Alltägliche. Gibt es in einer Straße zum Beispiel eine Baustelle oder verdeckt ein Gerüst ein berühmtes Gebäude, ist das kein Makel. Vielmehr handelt es sich um ein Element, das Teil der Zeichnung ist.

Viele aktive Urban Sketchers zeichnen in erster Linie die Stadt, in der sie daheim sind. Aber auch Orte, die sie bei Ausflügen oder auf Reisen besuchen, halten sie in Zeichnungen fest. Dabei gilt als ungeschriebene Regel, dass mindestens ein städtisches Element vorhanden sein muss. Eine reine Landschaft ist kein Urban Sketching.

„Unsere Zeichnungen sind eine Aufzeichnung der Zeit und des Ortes.“

Diese Regel trägt dem Beruf des Gründers als Journalist Rechnung. Damit ist nämlich gemeint, dass es bei den Zeichnungen weniger um Perfektion geht. Das Urban Sketching versucht eher, dem journalistischen Anspruch gerecht zu werden, das zu dokumentieren, was gerade passiert.

Um den Zeitpunkt einzufangen, wird auf den Zeichnungen stets der Ort, das Datum und die Uhrzeit vermerkt. Oft fügen die Zeichner außerdem eine kurze Beschreibung der Situation hinzu.

„Wir bezeugen unsere Umwelt wahrhaftig.“

Der Zeichner sollte nichts beschönigen. Das Ziel ist, die Stadtansicht genau so darzustellen, wie sie eben aussieht. Es geht darum, den echten Charakter einzufangen, auch wenn es vielleicht gerade regnet und die Stadt im Sonnenschein viel freundlicher aussieht.

Das bedeutet aber nicht, dass die Zeichnung fotorealistisch sein muss. Die Idee ist, die Stadtansicht in der Form und in dem Stil darzustellen, wie sie der Zeichner sieht.

„Wir benutzen alle Arten von Medien.“

Viele Urban Sketchers haben zwar ihre bevorzugten Materialien. Aber der Zeichner ist bei der Wahl seiner Mittel völlig frei und kann für seine Zeichnung benutzen, was er möchte oder gerade zur Hand hat.

„Wir unterstützen einander und zeichnen zusammen.“

Natürlich kann der Zeichner das Urban Sketching für sich alleine ausprobieren. Schließt er sich der Bewegung an, wird er Teil eines Netzwerks, das online und offline agiert.

„Wir veröffentlichen unsere Zeichnungen online.“

Zur Idee des Netzwerks und der gegenseitigen Unterstützung gehört, seine Arbeiten mit anderen zu teilen. Aber selbstverständlich bleibt es auch hier dem Zeichner überlassen, ob er seine Arbeiten im Internet veröffentlichen oder lieber für sich selbst behalten möchte.

„Wir zeigen die Welt, Zeichnung für Zeichnung.“

Damit ist gemeint, dass sich der Zeichner stets voll und ganz auf die Zeichnung konzentrieren sollte, die er gerade anfertigt. Erst wenn eine Zeichnung fertig ist, sollte er über das nächste Motiv nachdenken. Auf diese Weise richtet sich seine ganze Aufmerksamkeit auf den Moment und die Szene, die er aktuell festhält.

  1. Wie kann der Zeichner das Urban Sketching lernen?

Möchte sich der Zeichner an Stadtansichten versuchen, gibt es dafür mehrere Möglichkeiten. So kann er sich zum Beispiel online verschiedene Zeichnungen von Urban Sketchers anschauen und auf diese Weise Anregungen holen. Vielerorts werden auch spezielle Kurse zum urbanen Skizzieren und Zeichnen angeboten.

Daneben kann sich der Zeichner erkundigen, wo und wann ein Treffen von Urban Sketchers stattfindet. Erfahrene Zeichner können dem Neuling sicher wertvolle Tipps mit auf den Weg geben. Außerdem macht es einfach Spaß, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Nicht umsonst gibt es diesen Punkt im Manifest.

Gerade bei dieser Form des Zeichnens ist das Üben aber der vielleicht wichtigste Punkt. Denn das Urban Sketching erfordert, dass der Zeichner genau beobachten, sich auf den Moment einlassen und spontan drauflos zeichnen kann.

  1. Was wird für das Urban Sketching benötigt?

Welche Materialien der Zeichner braucht, hängt davon ab, wie er die Stadtansicht zeichnen will. Grundsätzlich genügt ein Stück Papier und ein Stift. Die am weitesten verbreiteten Techniken beim Urban Sketching sind das Zeichnen mit Bleistift, Kohle, Kreide, Pinselstiften, Aquarellstiften und Finelinern.

Außerdem arbeiten viele Urban Sketchers mit einem oder mehreren Skizzenbüchern. Aber auch das digitale Zeichnen auf dem Tablet ist beliebt.

Letztlich bleibt es dem Geschmack des Zeichners überlassen, wie er seine Ausstattung zusammengestellt. Für den Anfang würden wir aber dazu raten, mit einem Bleistift zu beginnen. Ein Bleistift mit mittlerem Härtegrad ermöglicht, die gängigen Zeichentechniken umzusetzen.

Gleichzeitig ist er in der Handhabung einfach und der Zeichner kann spontan zeichnen, ohne dass er eine Staffelei oder eine Vielzahl an Hilfsmitteln braucht.

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Thorsten Laumann, 42 Jahre, technischer Zeichner, Marie Koschinski, 34 Jahre, Grafikdesignerin, David Naue, 37 Jahre, Mediengestalter und privater Comic-Zeichner, sowie Ferya Gülcan, Redakteurin und Betreiberin dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Anleitungen zum Thema Zeichnen, Malerei, Kunst und Print.

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