Gesichtsausdrücke zeichnen – so geht’s

Gesichtsausdrücke zeichnen – so geht’s

Es gibt ein paar Gefühle, die bei allen Menschen weltweit auftreten. Diese Basis-Emotionen lassen sich auch im Gesicht ablesen. Psychologen und Experten ordnen die Gefühle dabei in fünf Gruppen ein, nämlich Freude, Trauer, Wut, Angst und Ekel. Natürlich gibt es innerhalb dieser Gefühlgruppen unzählige Facetten, verschiedenste Ausprägungen und auch gemischte Gefühle. Trotzdem gehen die Emotionen auf die fünf grundlegenden Gefühle zurück.

Beim Zeichnen kann der Zeichner selbstverständlich originalgetreue Gesichter gestalten und bis ins kleinste Detail ausarbeiten. Doch um das Gefühl zu vermitteln, das die gezeichnete Person gerade durchlebt, reichen schon wenige Striche aus. Und die Elemente, die für den jeweiligen Gesichtsausdruck entscheidend sind, bleiben immer gleich – egal ob es eine schnelle, einfache Skizze oder eine aufwändige Zeichnung ist.

Um diese grundlegenden Elemente kümmern wir uns im Folgenden. Dabei beschränken wir uns ganz bewusst aufs Wesentliche. Denn wenn der Zeichner einmal verinnerlicht hat, worauf es ankommt, kann er alle Gesichtsausdrücke zeichnen.

Wie detailliert er seine Skizze dann ausarbeitet,
spielt keine Rolle. Also, los geht’s!:

 

  1. Freude

Das schöne Gefühl der Freude und der Fröhlichkeit lässt sich sehr einfach zeichnen. Denn bei diesem Gesichtsausdruck gibt es nur zwei wichtige Dinge. Der erste Punkt sind die Lachfalten, die sich neben den Augen zeigen. Der Zeichner kann dafür dünne Striche neben die Augenwinkel setzen.

Der zweite Punkt ist der Mund. Lächelt oder lacht eine Person, zeigen die Mundwinkel nach oben. Der Zeichner kann für einen lächelnden Mund einen nach oben offenen Bogen zeichnen und die Mundwinkel zusätzlich mit kleinen, leicht gebogenen Linien betonen. Damit ist der fröhliche Gesichtsausdruck auch schon fertig.

 

  1. Trauer

Möchte der Zeichner seiner Figur ein trauriges Gesicht geben, zeichnet er die Augen am besten in Form von liegenden Ds. Dadurch kann er andeuten, dass die Oberlider gesenkt sind. Gleichzeitig geht der Blick der Figur nach unten. Denn Trauer sorgt dafür, dass die Gedanken und Gefühle nach innen gerichtet sind.

In der Psychologie wird Traurigkeit oft mit einem inneren Dialog verknüpft. Traurige Menschen senken ihren Blick deshalb häufig nach unten. Ergänzt wird der traurige Gesichtsausdruck durch Augenbrauen, die der Augenform folgen. Dafür kann der Zeichner zwei Bögen zeichnen, die sich in Richtung Stirnmitte nach oben ziehen. Möglich ist auch, die Augenbrauen so zu zeichnen, dass sie sich in der Mitte der Stirn treffen.

Nun fehlt nur noch der Mund. Bei einem traurigen Gesichtsausdruck hängen die Mundwinkel nach unten. Der Zeichner kann dafür einfach einen eher flachen Bogen ziehen. Damit hat das Gesicht alle Merkmale, die ein trauriges Gesicht ausmachen.

 

  1. Wut

Soll die Figur ein wütendes Gesicht bekommen, zieht der Zeichner die Augenbrauen in Richtung Nase. Er zeichnet sie also tiefer als sonst und legt sie so an, dass sie sich oberhalb der Nasenwurzel treffen. Dabei kann der Zeichner die Augenbrauen in zwei Linien oder als eine durchgehende Linie zeichnen.

Die Augen sind bei einem wütenden Gesicht nah an den heruntergezogenen Augenbrauen. Deshalb kann der Zeichner die Augen sogar direkt an die Brauen setzen. Ist eine Person wütend, schaut sie meist starr mit aufgerissenen Augen auf das, was sie wütend macht. Das kann der Zeichner andeuten, indem er einen Punkt als Pupille mitten ins Auge setzt.

Während die Person starr und wütend dreinschaut, presst sie meist ihre Lippen fest aufeinander. Dadurch entsteht ein angespannter Mund mit sehr schmalen Lippen. In einer Zeichnung lässt sich das mit einem einfachen waagerechten Strich umsetzen. Kleine Bögen an den Mundwinkeln lassen den Mund noch angespannter aussehen.

 

  1. Angst

Angst im Gesicht zeigt sich in erster Linie durch sehr große, weit aufgerissene Augen. Deshalb sollte der Zeichner die Augen seiner ängstlichen Figur deutlich größer zeichnen als sonst. Gleichzeitig sollte er die Puppillen geweitet gestalten. Das geht am einfachsten, indem er einen Kreis zeichnet und in diesen Kreis einen kleinen, weißen Innenkreis setzt.

Der Blick der Figur geht dabei in die Richtung, in der sich das Objekt, das die Angst auslöst, befindet. Kleine, dünne Striche unter den Augen deuten die Unterlider an und betonen die Angst in den Augen.

Ähnlich wie bei Trauer ziehen sich auch bei Angst die Augenbrauen in Richtung Stirnmitte zusammen. Der Unterkiefer ist entspannt und der Mund wird schmal und breit. Zeichnet der Zeichner einen Cartoon oder einen Comic, kann er den Mund als Wellenlinie gestalten. Das verstärkt den Ausdruck.

 

  1. Ekel

Ekel ist vielleicht am aufwändigsten zu zeichnen. Das Hauptelement bei diesem Gesichtsausdruck ist die Nase. Wenn sich eine Person ekelt, dann rümpft sie die Nase. Dadurch wirkt die Nase breiter und die Nasenspitze geht nach oben. Die Nasenflügel blähen sich auf und über der Nasenwurzel entsteht ein kleines V. Die gerümpfte Nase führt auch dazu, dass die Augen schmaler werden. Der Zeichner zeichnet also verengte Augen und eine Nase mit einer nach oben gezogenen Nasenspitze.

Der Mund ist bei Ekel oft leicht geöffnet und die Mundwinkel gehen ein wenig nach unten. Der Zeichner kann deshalb zunächst einen flachen Bogen als Unterlippe ziehen und darauf eine geschwungene Linie als Oberlippe setzen. Krähenfüße neben den Augenwinkeln und Furchen von den Nasenflügeln bis zu den Mundwinkeln betonen den angewiderten Gesichtsausdruck.

 

Und als kleine Anregung hier noch Beispiele, wie die gezeichneten Gesichtsausdrücke aussehen können.

[Grafik Gesichtsausdrücke]

Gesichtsausdruck zeichnen

Dabei kann und sollte der Zeichner natürlich ein wenig herumprobieren. Und er kann die Basiselemente ausschmücken. Falten, ein angespanntes Kinn oder Tränen beispielsweise können den jeweiligen Gesichtsausdruck zusätzlich betonen. Ebenso kann der Zeichner mit Licht und Schatten arbeiten oder seine Skizze farbig gestalten.

Mehr Vorlagen, Ratgeber, Anleitungen und Tipps:

Thema: Gesichtsausdrücke zeichnen – so geht’s

Teilen:

Redakteure

Thorsten Laumann, 42 Jahre, technischer Zeichner, Marie Koschinski, 34 Jahre, Grafikdesignerin, David Naue, 37 Jahre, Mediengestalter und privater Comic-Zeichner schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Anleitungen zum Thema Zeichnen, Malerei, Kunst und Print.

Kommentar verfassen