Schraffieren mit dem Kugelschreiber

Schraffieren mit dem Kugelschreiber

Um Skizzen und Zeichnungen anzufertigen, wird meist der Bleistift verwendet. Daneben greifen einige Zeichner zum Buntstift, zum Filzstift oder zur Tusche. Doch auch der Kugelschreiber eignet sich gut als Zeichenwerkzeug.

Schraffieren mit dem Kugelschreiber

Tatsächlich dürfte fast jeder schon einmal mit dem Kugelschreiber gezeichnet haben, beispielsweise um eine spontane Idee festzuhalten oder aus Langweile. Und so finden sich diverse Kugelschreiber-Zeichnungen in Schulheften, auf Bierdeckeln oder auf den Notizzetteln neben dem Telefon.

Doch natürlich kann der Kuli auch ganz gezielt und bewusst als Werkzeug für Skizzen und Zeichnungen ausgesucht werden. Ähnlich wie mit dem Bleistift können auch mit dem Kugelschreiber sowohl Linien gezogen als auch Flächen eingefärbt werden.

Nutzt der Zeichner für das komplette Bild nur einen einzigen Kugelschreiber, ist aber wichtig, dass er mit hellere und dunklere Stellen gestaltet. Denn erst durch die Kontraste wird die Zeichnung lebendig.

Farbunterschiede mit dem Kugelschreiber

Eine Technik, um mit dem Kuli Farbunterschiede zu gestalten, besteht darin, den Druck zu verändern. An dieser Stelle verhält sich der Kugelschreiber nämlich genauso wie ein Blei- oder Buntstift.

Zieht der Zeichner den Kugelschreiber nur leicht und mit wenig Druck über das Papier, entstehen helle Striche. Je mehr er den Druck erhöht, desto dunkler werden die Linien.

Schraffieren mit dem Kugelschreiber

Mit einem Bleistift ist es nicht ganz so schwer, eine Fläche gleichmäßig auszumalen. Zwar muss der Zeichner auch hier letztlich viele einzelne Linien und Striche zeichnen.

Aber er kann die Bleistiftlinien später verwischen, um sie so zu einer geschlossenen Farbfläche zu verbinden, die Fläche sanft auslaufen zu lassen oder besondere Effekte zu erzielen. Außerdem kann der Zeichner den Radiergummi nutzen, um Farbe herauszunehmen oder einzelne Linien wieder zu entfernen.

Mit dem Kugelschreiber ist das Ganze etwas aufwändiger. Ein Grund dafür ist, dass die Linien in aller Regel sehr dünn sind. Dazu kommt, dass die einzelnen Striche meist deutlich sichtbar bleiben. Und die Linien zu verwischen oder Korrekturen vorzunehmen, ist praktisch nicht möglich.

Andererseits kann sich der Zeichner genau diese Eigenschaften der Kugelschreiber-Linien zunutze machen. Variiert er den Abstand zwischen den einzelnen Strichen, kann er die Dunkelheit der Fläche bestimmen.

Je dichter er die Linien nebeneinandersetzt, desto geschlossener und dunkler wird die Fläche. Für eine gleichmäßig eingefärbte Fläche kann er die Linien außerdem nicht nur in eine Richtung, sondern über Kreuz oder wild über- und durcheinander verlaufen lassen.

Dass die einzelnen Linien erkennbar bleiben, bringt den Vorteil mit sich, dass der Zeichner so nicht nur Flächen ausmalen kann. Vielmehr entstehen nebenbei Strukturen, die es ermöglichen, verschiedenste Materialien und Oberflächen darzustellen.

Wie mit dem Bleistift kann der Zeichner auch mit dem Kugelschreiber unterschiedliche Schraffuren gestalten.

Je nachdem, welchen Effekt der Zeichner erzielen möchte, bieten sich dabei drei verschiedene Arten an:

Lange Linien

Mithilfe von langen Strichen kann der Zeichner eine Fläche recht schnell ausfüllen. Dabei kann er die Linien senkrecht, waagerecht oder diagonal ziehen. Übt er nur wenig Druck auf den Kuli aus und lässt er den Abstand zwischen den Strichen recht groß, wird die Fläche nur sanft eingefärbt.

Je mehr der Zeichner den Druck erhöht und je dichter er die Linien nebeneinandersetzt, desto dunkler wird die Fläche. Legt der Zeichner die Striche übereinander und lässt sie in verschiedene Richtungen verlaufen, schließt sich die Fläche zunehmend.

Schraffuren aus langen Linien eignen sich gut, um glatte Oberflächen oder auch lange Haare darzustellen. Durch die Länge und die Richtung der Striche kann der Zeichner außerdem gut Einfluss darauf nehmen, wie die Fläche optisch wirkt.

Kurze Striche

Anstelle von langen Strichen kann der Zeichner auch nur sehr kurze Linien zeichnen, die entweder senkrecht oder diagonal verlaufen. Auch hier bestimmen wieder der Druck auf den Kuli und der Abstand zwischen den einzelnen Linien darüber, wie dunkel und dicht die Fläche wirkt.

Diese Art der Schraffur eignet sich sehr gut, wenn der Zeichner zum Beispiel Fellstrukturen darstellen möchte. Drückt der Zeichner den Kuli stärker auf, wirken die einzelnen Haare dicker und gröber.

Zieht er den Kuli hingegen nur leicht über das Papier, erscheint die Struktur feiner. Daran ändert sich auch nichts, wenn er die Striche sehr dicht nebeneinandersetzt.

Das Fell wird dadurch zwar dichter, bleibt aber dennoch fein. Auf diese Weise wird es möglich, verschiedene Abstufungen von dünnem, weichem Fell bis hin zu dicken Borsten zu gestalten.

Punkte

Eine weitere Möglichkeit beim Schraffieren mit dem Kugelschreiber ist, eine Fläche mit vielen kleinen Punkten auszufüllen. Je dichter der Zeichner die einzelnen Punkte nebeneinandersetzt, desto dunkler erscheint die Fläche.

Weil der Zeichner bei dieser Technik nur sehr kleine Punkte setzt, ist ein Vorteil, dass sich nicht so schnell Fehler einschleichen. Und selbst wenn der Zeichner mal mit einem Punkt verrutscht, lässt sich das viel leichter kaschieren als eine längere Linie.

Ein Nachteil ist aber, dass es recht aufwändig ist und ziemlich lange dauert, bis eine Fläche mit den kleinen Punkten aufgefüllt ist. Die Punkt-Schraffur eignet sich optimal, wenn der Zeichner raue Oberflächen wie zum Beispiel Sand darstellen möchte.

Farbverläufe mit dem Kugelschreiber

Kombiniert der Zeichner Druck und Dichte in verschiedenen Abstufungen miteinander, kann er mit dem Kugelschreiber Farbverläufe gestalten.

Dabei beginnt er, indem er den Kugelschreiber zunächst nur sehr leicht aufdrückt und einige wenige Linien mit recht großem Abstand zueinander zeichnet.

Im weiteren Verlauf erhöht er den Druck auf den Kugelschreiber zunehmend. Gleichzeitig setzt er die Linien immer enger an- und übereinander. Am Ende arbeitet er mit sehr viel Druck und lässt fast gar keinen Abstand mehr zwischen den Strichen. So entwickelt sich die Fläche von hell nach dunkel.

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Inhaber bei Internetmedien Ferya Gülcan
Thorsten Laumann, 42 Jahre, technischer Zeichner, Marie Koschinski, 34 Jahre, Grafikdesignerin, David Naue, 37 Jahre, Mediengestalter und privater Comic-Zeichner, sowie Ferya Gülcan, Redakteurin und Betreiberin dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Anleitungen zum Thema Zeichnen, Malerei, Kunst und Print.
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